278  Sweites  Kapitel.

Kürsten  zu  verfeinden  suche,  eine  ablehnende  Antwort.  Als  aber  dann
zum  drittenmal  der  Dorschlag  vor  ihn  gebracht  wurde,  nahm  er  ihn  an,
machte  jedoch  zur  ausdrücklichen  Bedingung,  daß  die  Unnverletzlichkeit
deutschen  Gebietes  die  Grundlage  aller  Derhandlungen  sei.

Allsommerlich  pflegte  der  Hrinzregent  einige  Wochen  mit  der  Großherzogin,
  seiner  Tochter,  und  deren  Familie  in  Baden-Baden  zuzubringen.
Dort  hatten  ihm  schon  die  Könige  von  Bavern  und  Württemberg  ihren
Besuch  zugesagt.  So  lud  er  denn  auch  den  Kaiser  Napoleon  dorthin
ein.  Sugleich  aber  zeigte  er  durch  ein  Sirkular  sämtlichen  deutschen
Kürsten  die  bevorstehende  Susammenkunft  an.  Infolgedessen  stellten  sich
auch  die  beiden  norddeutschen  Könige,  die  Großberzöge  von  Darmstadt
und  Weimar  und  die  HBerzöge  von  Nassau  und  Koburg  dort  ein.  Als
Wirt  des  Landes  war  auch  der  Großherzog  von  Baden  zugegen.  An
der  Spitze  dieser  gekrönten  hohen  Schar  empfing  der  Hrinzregent  am
15.  Juni  1860,  abends  um  7  Uhr,  den  kaiserlichen  Gast.  Eine  Stunde
später  machte  er  ihm  seinen  Besuch.  In  lebhaftem  Gespräch  verging
schnell  eine  Stunde.  Es  war  das  einzige  Gespräch,  das  die  beiden  Herrscher
  während  dieses  Besuches  unter  vier  Augen  hatten.  Napoleon  begann
  mit  der  Klage  über  die  Aufregung,  die  in  Deutschland  ganz  grundlos
  gegen  ihn  herrsche,  und  über  die  feindselige  Haltung  fast  der  ganzen
deutschen  Hresse.  Er  wünsche  vielmehr,  daß  die  beiden  Dölker,  die  an
der  Spitze  der  Sivilisation  ständen,  in  Frieden  verkehren  und  ihre  Interessen
  verschmelzen  möchten.  Der  Hrinzregent  wies  darauf  hin,  daß
die  Einverleibung  Savoyens  von  seiten  Frankreichs  die  Ursache  der  Besorgnisse
  in  Deutschland  sei.  „Was  ist  zu  thun“,  fragte  Napoleon,  „um
diese  Besorgnisse  zu  stillend“  „Sagen  Sie  den  deutschen  Fürsten“,  antwortete
  der  Prinzregent,  „was  Sie  mir  gesagt  haben!“

Wohl  hätte  der  Drinz  die  Zuvorkommenheit  Napoleons  ausnutzen
können,  um  die  Widersacher  seiner  nationalen  Bestrebungen  zu  beugen.
Es  ist  aber  charakteristisch  für  ihn,  daß  er  das  vollkommen  verschmähte
und  sich  mit  vollkommenster  Offenheit  Napoleon  als  den  Vertreter  aller
deutschen  Staaten  gegenüberstellte.

Den  folgenden  Tag  füllten  Besuche  und  Festlichkeiten  aus.  Am
Abend  war  eine  große  Soiree,  in  der  alle  Fürsten  zugegen  waren.  Na—-poleon
  war  sehr  ruhig  und  gemessen,  knüpfte  auch  mit  niemand  ein
längeres  Gespräch  an,  während  der  Hrinzregent  mit  der  heiteren  Ungezwungenbeit,
  die  ihm  eigen  war,  sich  bewegte.

Nochmals  fand  zwischen  den  beiden  Herrschern  am  17.  Juni  eine  Unterredung
  statt,  der  nur  der  König  von  Bapern  beiwohnte.  Es  handelte  sich