280  Sweites  Kapitel.

dabei  hauptsächlich  um  Tapoleons  Stellung  zu  Teapel.  Am  Abend  des
Tages  reiste  er  ab.  Immerhin  wirkten  die  Friedensversicherungen,  die  er
gegeben,  beruhigend;  aber  völlig  setzte  doch  niemand  sein  Dertrauen  darauf.

VNach  der  Abreise  des  Kaisers  versammelte  der  Hrinzregent  noch
einmal  die  Fürsten  im  großberzoglichen  Schlosse  um  sich.  Er  dankte
ihnen,  daß  sie  seinem  Wunsche,  sie  möchten  bei  seiner  Begegnung  mit
dem  Kaiser  Mapoleon  gegenwärtig  sein,  bereitwillig  entsprochen  hätten.
Diesen  Dorgang  nebme  er  gern  als  ein  Unterpfand  an,  daß,  wenn
Deutschland  Gefahr  drohen  sollte,  die  deutschen  Fürsten  noch  eifriger  und
zahlreicher  zusammenstehen  würden.  Seine  Absicht,  die  gemeinsamen
deutschen  Interessen  Frankreich  gegenüber  zu  vertreten,  sei  durch  die  Anwesenheit
  der  Fürsten  wesentlich  unterstützt  worden.  Der  Kaiser  Mapoleon
habe  sich  wiederholt  dahin  ausgesprochen,  daß  er  mit  der  Begegnung  die
Absicht  verknüpft  habe,  Beweise  seiner  friedlichen  Gesinnungen  zu  geben
und  die  aufgeregten  Gemüter  in  Deutschland  zu  beruhigen.  —  Er  selbst
habe  die  Susammenkunft  in  der  Voraussetzung  und  unter  der  Bedingung
angenommen,  daß  die  Integrität  der  Grenzen  des  Daterlandes  durch
nichts  in  Frage  gestellt  werde.  Indem  der  Kaiser  darein  gewilligt  und
sich  daraufbin  nach  Baden--Baden  begeben,  habe  er  diese  Integrität  anerkannt.
  Der  Hrinzregent  aber  glaube  damit  einen  neuen  Beweis  gegeben
  zu  haben,  wie  sehr  seine  Holitik  die  Interessen  Gesamt-Deutschlands
im  Auge  habe.  Er  halte  es  für  die  Aufgabe  nicht  nur  der  deutschen,
sondern  auch  der  europäischen  Holitik  Dreußens,  die  Integrität  der
Grenzen  Deutschlands  zu  wahren;  diese  werde  stets  seine  erste  Sorge
sein  und  er  werde  sich  auch  dadurch  in  der  Erfüllung  dieser  Aufgabe
nicht  beirren  lassen,  daß  seine  Auffassung  über  den  Gang  und  die  Siele
der  preußischen  und  deutschen  Holitik  von  einigen  seiner  Bundesgenossen
nicht  geteilt  werde.  Uber  die  Loyalität  seiner  Bemühungen,  eine  Reform
der  Bundesverfassung  anzustreben  und  die  Kräfte  Deutschlands  zu  gedeihlicher
  Wirksamkeit  zu  entfalten,  könne  kein  Sweifel  bestehen.  Diese  Bemühungen
  hätten  nicht  in  der  Absicht  stattgehabt,  das  zwischen  den
deutschen  Regierungen  bestehende  völkerrechtliche  Band  zu  erschüttern.
Die  Akte  seiner  Regierung  hätten  gezeigt,  daß  Dreußen  für  den  Augenblick
  weitergellende  Reformen  nicht  erstreben  wolle,  aber  genau  die
Dunkte  bezeichnet,  die  festgebalten  werden  müßten.  Esterreich  habe  neuerdings
  Schritte  gethan  zu  einer  Annäherung.  Er  lege  darauf  großen
Wert,  und  seine  deutschen  Bundesgenossen  würden  von  den  Fortschritten
derselben  Kunde  erhalten.  Indem  er  an  dem  Wege,  den  er  in  Hreußen
und  Deutschland  bisber  eingeschlagen,  festhalte,  hoffe  er,  daß  sich  auf