Auswärtige  Angelegenheiten.  281

demselben  immer  mehr  deutsche  Regierungen  mit  ihm  vereinigen  würden.
Er  hoffe,  daß  infolge  dieser  Susammenkunft  nicht  nur  ein  Susammenstehen
  der  deutschen  Fürsten  dem  Auslande  gegenüber,  sondern  auch  eine
Annäherung  in  inneren  Angelegenheiten  auf  dem  von  Hreußen  betretenen
  Wege  bewirkt  werden  möge.

Also  von  dem  Orinzregenten  eindringlich  ermahnt,  traten  die  Fürsten
die  Heimreise  an.  Nur  König  Max  von  Bapern  blieb  noch  zurück,  weil
er  noch  mehreres  auf  dem  HBerzen  hatte,  das  er  durch  persönliche  Einwirkung
  auf  den  Orinzregenten  hoffte  fördern  zu  können.  So  kam  es
denn  am  19.  Juni  noch  zu  einer  offenen  Aussprache  zwischen  den  beiden
Rerrschern.  Der  König  begann  damit,  daß  er  den  Orinzregenten  bat,
seinen  Antrag  auf  Sweiteilung  des  Bundesheeres  im  Kriegsfalle  zurückzuziehen,
  da  er  den  Fürsten  die  Derfügung  über  ihre  Truppen  nähme,
also  in  ihre  Souveränitätsrechte  eingriffe.  „Daran  ist  nicht  zu  denken“,
erwiderte  der  Drinzregent  mit  Tachdruck.  „An  sich  wäre  Einheit  das
beste;  jedoch  ergiebt  sich  bei  der  Größe  der  Heere  und  der  Entfernung
der  Kriegstheater  die  Sweiteilung  von  selbst.  Bundeskommissare  im
Hauptquartier  würden  überdies  durch  ihre  Einsprüche  und  Derwahrungen
alle  Bewegungen  des  Bundesheeres  lähmen.“  Nicht  mehr  Srfolg  hatte
der  König  mit  seinem  Wunsche,  der  Hrinzregent  möchte  dem  Nationalverein
  energisch  entgegentreten.  Allein,  solange  keine  strafbaren  Hand—
lungen  vorlägen,  verweigerte  dieser  jede  Derfolgung  des  Dereins.  Er
betonte  dabei,  daß  er  seine  Stellung  zu  den  deutschen  Fragen  in  seiner
Antwort  auf  die  Adresse  der  Stettiner  Bürgerschaft  deutlich  ausgesprochen
  habe.  "

Trotz  dieses  Mißerfolges  kam  nun  König  Max  mit  seinem  dritten
Wunsche  hervor:  eine  Annäherung  Hreußens  an  Esterreich  herbeizuführen,
ein  Wunsch,  der  es  eigentlich  gewesen,  der  ihn  nach  Baden-Baden  geführt
  habe.  „Dazu  bin  ich  sehr  bereit“,  antwortete  der  OHrinzregent,
„unter  der  einfachen  Bedingung,  daß  Gsterreich  endlich  aufhört,  Hreußen
als  Emporkömmling  zu  betrachten,  und  es  aufrichtig  als  gleichberechtigte
Großmacht  anerkennt.  Sobald  Esterreich  aufhört,  Hreußen  schaden  zu
wollen,  wird  der  Ausgleich  leicht  erreichbar  sein.“  Das  könne  am  besten,
meinte  der  König  von  Bapern  hierauf,  durch  eine  persönliche  Zusammen—
kunft  des  Drinzregenten  mit  dem  Kaiser  Franz  Joseph  geschehen,  zu  deren
Einleitung  er  mit  Frenden  bereit  sei  die  erforderlichen  Schritte  zu  thun.
Der  HOrinz  war  damit  einverstanden,  jedoch  verlangte  er,  nachdem  Gsterreich
  durch  sein  Manifest  die  Schuld  an  dem  Frieden  von  Dillafranca  in
beleidigender  Weise  auf  Hreußen  abzuwälzen  versucht  habe,  daß  der  erste