282  Zweites  Kapitel.

Schritt  von  Wien  aus  geschehe.  „Übrigens“,  fügte  er  hinzu,  „werde  ich,
meinem  Grundsatze  getreu,  auf  vorzeitige  Garantien  und  Alliancen  nicht
eingehen;  jedoch  bin  ich  bereit,  bestimmte  Kriegseventualitäten  zu  besprechen,
  bei  denen  Gsterreich  und  Hreußen  in  Verbindung  mit  Deutschland
  vereint  aufzutreten  haben  würden.“

Sehr  bereites  Entgegenkommen  fand  der  König  von  Bayern  in
Wien.  Denn  auf  eine  vorsichtige  Anfrage  in  St.  Petersburg,  wie  Rußland
  sich  zu  dem  Gedanken  einer  Erneuerung  der  heiligen  Alliance  stelle,
hatte  Fürst  Gortschakow,  der  russische  Kanzler,  den  Grafen  Rechberg  zunächst
  an  Preußen  gewiesen.  Als  daher  der  Prinzregent  dem  Kaiser
von  Esterreich  einen  Bericht  über  die  Fürstenzusammenkunft  in  Baden
übersandte,  antwortete  dieser  mit  dem  Dorschlage  einer  persönlichen  Begegnung
  in  Dresden.  Su  dieser  erwarteten  auch  die  vier  deutschen
Könige  mit  Bestimmtheit  eingeladen  zu  werden.  Der  Hrinzregent  indessen
versprach  sich  von  einer  solchen  Dergrößerung  der  Teilnehmer  keine
Förderung  der  Sache.  Er  machte  daher  dem  Kaiser  Kranz  Joseph  den
Gegenvorschlag  einer  Besprechung  unter  vier  Augen  in  Teplitz,  womit
sich  dieser  umgehend  einverstanden  erklärte.  Nur  Rechberg  und  Schleinitz,
die  beiderseitigen  auswärtigen  Winister,  sollten  ihre  Herrscher  begleiten.

Am  25.  Juli,  abends  um  5½  Uhr,  traf  der  Hrinzregent  mit  einem
Extrazuge  in  Teplitz  ein.  Don  großem  Gefolge  umgeben,  empfing  ihn
der  Kaiser  auf  dem  Bahnbofe;  er  entblößte  sein  Haupt  und  streckte  dem
Drinzregenten,  der  die  kleidsame  Honveduniform  seines  ungarischen  Regimentes
  angelegt  hatte,  die  Rand  entgegen.  Mit  kräftigem  Druck  ergriff
sie  der  Drinz.  So  standen  die  Fürsten  schweigend  einen  Moment  einander
gegenüber,  sichtlich  ergriffen.  Wie  von  widerstreitenden  Gefühlen  bewegt,
wechselte  Kaiser  Franz  Joseph  mehrmals  die  Farbe.

Am  folgenden  Tage  um  11  Uhr  fand,  wie  verabredet  war,  die
Konferenz  der  beiden  Fürsten  statt.  Zu  Fuß,  nur  von  einem  Adjutanten
begleitet,  begab  sich  der  Kaiser  in  das  Botel  „Orinz  von  Ligne,  in  dem
der  Hrinzregent  wohnte.  KFünf  Diertelstunden  dauerte  die  Unterredung,
während  eine  unabsehbare  Menschenmenge  unten  in  lautloser  Erwartung
zu  den  Fenstern  des  Hrinzregenten  emporschaute.  Und  wahrlich,  es  war
nicht  weniger  als  das  Schicksal  Deutschlands,  was  dort  oben  in  Frage
stand!

Der  Hrinzregent  begann  die  Unterredung,  indem  er  darlegte,  was
er  bieten  und  was  er  dafür  erwarten  wollte.  Hreußen,  erklärte  er,  würde
bereit  sein  zu  gemeinschaftlicher  Abwehr  gemeinsamer  Gefahr,  zumal
also,  wenn  etwa  Frankreich  einen  Augriff  auf  die  Besitzungen  Esterreichs