284  Zweites  Kapitel.

stimmtheit  lehnte  der  Kaiser  das  ab.  „Der  Vorsitz  des  Bundestages“,
sagte  er,  „ist  ein  altes  Ehrenrecht  meines  Hauses  und  darum  für  mich
unantastbar.“

Ebensowenig  fand  der  zweite  Hunkt  seine  Lösung.  Der  Prinzregent
war  der  Meinung,  daß  ein  Bündnis  mit  Esterreich  überhaupt  nur  dann
Wert  habe,  wenn  der  Kaiserstaat  innerlich  wieder  gekräftigt  werde;  zu
einer  solchen  Wiederberstellung  bedürfe  es  aber  vor  allem  liberaler  Reformen
  und  religiöser  Duldsamkeit.  Dies  schien  dem  Kaiser  indessen  zu
weit  zu  gehen;  das  seien  innere  Angelegenheiten,  meinte  er,  über  die  er
keine  schriftliche  Derpflichtung  übernehmen  könne.  Gleichwohl  kam  der
Drinzregent  noch  einmal  auf  die  Gleichberechtigung  der  Konfessionen
zurück,  die  ihm  sehr  am  Herzen  lag;  und  er  erreichte  auch,  daß  ihm  der
Kaiser  volle  Gerechtigkeit  gegen  seine  protestantischen  Unterthanen  versprack.

Die  Besprechung  ging  nun  auf  die  deutschen  Angelegenhbeiten  über.
Der  Hrinz  brachte  die  in  Frankfurt  schwebende  Verhandlung  über  die
Bundes-Kriegsverfassung  und  den  preußischen  Antrag  auf  Teilung  des
Oberbefehls  zwischen  Gsterreich  und  Hreußen  zur  Sprache,  für  den  er  die
Unterstützung  Gsterreichs  am  Zunde  erwartete.  Dies  war  jedoch  die  Auffassung
  des  Kaisers  nicht;  er  gab  nur  die  Susage,  daß  eine  Kommission
preußischer  und  österreichischer  Generale  den  preußischen  Antrag  noch
weiter  beraten  solle.  War  das  aber  etwas  anderes,  als  eine  schwach
verhüllte  Ablehnungd

Endlich  wies  der  Hrinzregent  noch  auf  den  unbefriedigenden  Gang
der  schleswig-holsteinischen  Angelegenheit  hin.  Hier  wich  aber  die  Auffassung
  des  Kaisers  so  weit  von  der  des  Hrinzen  ab,  daß  eine  Derständigung
  ausgeschlossen  blieb.  Überhaupt  scheute  der  Kaiser  so  sehr
vor  der  Übernahme  jeder  Verpflichtung  zu  gunsten  Hreußens  zurück,  daß
die  Abschließung  eines  Dertrages,  der  Leistung  und  Gegenleistung  bestimmte,
  unmöglich  war.  Dennoch  war  der  Kaiser  Kranz  Joseph  mit  dem
Ergebnis  der  Susammenkunft  sehr  zufrieden.  Wenige  Tage  danach
sprach  er  es  offen  zu  König  Johann  von  Sachsen  aus:  „Ich  bin  sicher“,
meinte  er,  „daß  ich  nicht  zum  zweitenmal  werde  im  Stich  gelassen
werden.“  Denn  er  hatte  den  bestimmten  Eindruck  gewonnen,  daß,  falls
der  unberechenbare  Mapoleon  noch  einmal  einen  Angriff  auf  Gsterreich
unternehmen  sollte,  der  Hrinzregent  dem  auch  ohne  Derpflichtung  nicht
ruhig  zusehen  würde.  Ob  aber  der  Hrinzregent  auch  befriedigt  ward
Am  27.  Juli  morgens  verließ  er,  vom  Kaiser  geleitet,  Teplitz.

Ein  Dierteljahr  später  trafen  die  HBerrscher  nochmals  zusammen.
In  FJtalien  hatte  die  Einigung  die  raschesten  Fortschritte  gemacht;  außer