Auswärtige  Angelegenheiten.  287

Nach  Einsetzung  der  Regentschaft  hatte  König  Friedrich  Wilhelm
den  milden  Himmel  Italiens  aufgesucht,  bis  die  Vorboten  des  lombardischen
Krieges  ihn  wieder  in  die  Heimat  zurückführten.  Seitdem  verließ  der
königliche  Dulder  sein  geliebtes  Sanssouci  nicht  mehr.  Unter  der  auf—
opferungsvollen  Pflege  der  Königin  Elisabeth  weilte  er  dort  noch  zwei
schwere  Jahre  hindurch.  Die  Schlaganfälle  wiederholten  sich.  In  kürzeren
oder  längeren  Zwischenräumen  traten  Gehirnreizungen  ein,  die  jedesmal
längere  Störungen  der  Empfindung,  Bewegung  und  des  Gedächtnisses
zurückließen.  Im  Dezember  1860  war  die  nahe  Auflösung  unverkennbar;
  immer  größer  wurde  die  Abspannung  und  Schwäche.  Der  König
nahm  kaum  noch  Anteil  an  seiner  Umgebung.  Su  Weihnachten  stellte
sich  Erbrechen  ein,  das  sich  mehrmals  wiederhbolte.  Dann  versank  der
hohe  Kranke  in  einen  schlummersüchtigen  Sustand,  aus  dem  er  nicht
wieder  erwachen  sollte.  Am  Silvesterabend  erkannten  die  Arzte  die  Anzeichen
  einer  beginnenden  Lungenlähmung,  und  am  2.  Januar  1861,
bald  nach  Mitternacht,  entschlief  sanft  und  still  in  völliger  Bewußtlosigkeit
  und  ohne  Todeskampf  König  Friedrich  Wilbelm  IV.

Lautlos,  tief  ergriffen,  umstand  die  königliche  Familie  das  Sterbelager.
  Da  erhob  sich  die  Königin  Slisabeth,  die  der  Augenblick  zur
Witwe  machte.  Langsam  schritt  sie  vom  Kopfende  des  Bettes,  wo  sie
gesessen,  auf  ihren  Schwager,  den  Hrinzregenten,  zu,  der,  in  die  Trauer
um  den  geliebten  Bruder  ganz  versunken,  am  Fußende  stand.  Schwer
ihre  Bewegung  meisternd,  umarmte  sie  ihn  und  begrüßte  ihn  als  König,
indem  sie  ein  besseres  Los  in  dem  hohen  Berufe  ihm  wünschte,  als  es
ihrem  heimgegangenen  teuren  Gemahl  geworden.

Und  voll  erfüllte  ein  gütiger  Gott  ihr  den  Wuncch.