Die  Krönung.  289

Blick  rückwärts  auf  den  heimgegangenen  königlichen  Bruder;  mit  Klar—
heit  und  Festigkeit  richtet  er  ihn  vorwärts  auf  die  Zukunft,  vertrauensvoll
  seinem  Volke  sich  hingebend.  Das  ist  der  Inhalt  des  an  demselben
7.  Jannar  veröffentlichten  Erlasses:

An  Mein  Volk.

„König  Sriedrich  Wilhelm  der  Vierte  ruht  in  Gott.  Er  ist  erlöst
von  den  schweren  Leiden,  die  er  mit  frommer  Ergebung  trug.  Unsere
Thränen,  die  in  gerechter  Trauer  fließen,  wolle  der  Herr  in  Gnaden
trocknen;  des  Entschlafenen  gesegnetes  Andenken  wird  in  Weinem,  in
Euren  Berzen  nicht  erlöschen.

„Miemals  hat  eines  Hönigs  Berz  treuer  für  seines  Dolkes  Wohl  geschlagen.
  Der  Geist,  in  welchem  Unseres  Rochseligen  Daters  Mojestät,
der  Beldenkönig  —  so  nannte  ihn  der  nun  beimgegangene  Königliche
Sohn  —  nach  den  Jahren  des  Unheils  sein  Dolk  wieder  aufrichtete  und
zu  den  Kämpfen  stählte,  an  welchen  Mein  verklärter  Bruder  hochberzig
teilnahm,  war  König  Friedrich  Wilhelm  dem  Oierten  ein  beiliges  Erbteil,
welches  Er  treu  zu  pflegen  wußte.  Uberall  gewährte  Er  edlen  Kräften
Anregung  und  förderte  deren  Entfaltung.  Mit  freier  Königlicher  Hand
gab  Er  dem  TLande  Institutionen,  in  deren  Ausbau  sich  die  Roffnungen
desselben  erfüllen  sollten.  Mit  treuem  Eifer  war  Er  bemüht,  dem  gesamten
  deutschen  Daterlande  höhere  Ehre  und  festere  Einigung  zu  gewinnen.
  Als  eine  unheilvolle  Bewegung  der  Geister  alle  Grundlagen
des  Rechts  erschüttert  hatte,  wußte  Meines  in  Gott  ruhenden  Bruders
Moajestät  die  Derwirrung  zu  enden,  durch  eine  neue  politische  Schöpfung
die  unterbrochene  Entwickelung  herzustellen  und  ihrem  Fortgange  feste
Bahmnen  anzuweisen.

„Dem  Nönige,  der  so  Großes  zu  begründen  wußte,  dessen  unvergeßliches
  Wort:  „Ich  und  Mein  Haus,  wir  wollen  dem  Herrn  dienen“  auch
Meine  Seele  erfüllt,  gebührt  ein  hervorragender  Hlatz  in  der  glorreichen
Reihe  der  Monarchen,  welchen  Hreußen  seine  Größe  verdankt,  welche  es
zum  Träger  des  deutschen  Geistes  machten.

„Dies  hohe  Dermächtnis  Meiner  Ahnen,  welches  sie  in  unablässiger
Sorge,  mit  ihrer  besten  Kraft,  mit  Einsetzung  ihres  Lebens  gegründet  und
gemehrt  haben,  will  ich  getreulich  wahren.  Mit  Stolz  sebe  Ich  Mich
von  einem  so  treuen  und  tapferen  Dolke,  von  einem  so  ruhmreichen
Beere  umgeben.

„WMeine  Hand  soll  das  Wohl  und  das  Recht  aller  in  allen  Schichten
der  Bevölkerung  hüten,  sie  soll  schützend  und  fördernd  über  diesem  reichen

Maiser  Wilhelm.  19