Die  Krönung.  293

acht  Füsilierbataillone,  durch  welche  die  schon  bestehenden  acht  Reserve—
Infanterieregimenter  auf  je  drei  Bataillone  vervollständigt  wurden,  durch
vier  neue  Garderegimenter  und  32  neue  Infanterieregimenter,  sowie
durch  Verstärkung  der  Zägerbataillone;  bei  der  Kavallerie:  durch  zwei
neue  Garderegimenter  (Ulanen  und  Dragoner)  und  durch  acht  Linienregimenter;
  bei  der  Artillerie:  durch  Errichtung  einer  zweiten  Festungsartillerie-Abteilung
  und  Derstärkung  der  Kopfzahl  für  die  Feldartillerie;
bei  den  Hionieren:  durch  Formierung  der  bisherigen  Abteilungen  in
Bataillone;  endlich  beim  Train:  durch  Verstärkung  der  Mannschaften  bei
den  Bataillonen.

Dadurch  war  die  Kriegsstärke  der  preußischen  Armee  auf  700000  Mann
gebracht,  so  daß  von  den  Armeen  aller  Großmächte  nur  die  einzige  französische
  an  Stärke  sie  noch  übertraf.  Dem  Könige  war  damit  ein  gewaltiges,
scharf  geschliffenes  Schwert  vom  Anfange  seiner  Regierung  an  in  die
Rand  gegeben:  eine  starke  Dersuchung  gewiß,  wenn  es  nicht  eben  König
Wilhelm  gewesen  wäre!  Die  Weihe  dieser  großartigen  Schöpfung  war
also  keine  militärische  Schaustellung,  sondern  der  Beginn  einer  neuen
Epoche  in  der  Geschichte  der  preußischen  Armee  sie  war  ein  historischer,
Akt.  So  war  die  Meinung  des  Rönigs,  die  Bedeutsamkeit  des  Vorganges
  auch  durch  die  Formen  auszudrücken,  in  denen  er  sich  vollzog.

Am  Abend  des  16.  Januar  wurden  die  Fahnen  und  Standarten,
die  den  neugebildeten  Truppenkörpern  verliehen  werden  sollten,  unter
militärischer  Bedeckung  in  das  Königliche  Schloß  in  Berlin  gebracht  und
hier  —  142  an  der  Sahl  —  in  einer  langen  Gimmerreihe  längs  der
Fenster  auf  Tischen  für  die  feierliche  Tagelung  niedergelegt.

Am  folgenden  Mittag  erschien  der  König,  von  den  Hrinzen  und
Drinzessinnen  des  Königlichen  Zauses  und  anderen  fürstlichen  Hersonen  umgeben.
  Im  Königszimmer  empfing  ihn  der  greise  Feldmarschall  Wrangel
an  der  Spitze  der  Generalität.  Mit  kurzen,  kräftigen  Worten  wies  der
König,  sichtlich  in  gehobener  Stimmung,  auf  die  hobe  Bedeutung  des
Momentes  hin.  Dann  ergriff  er  den  Kammer  und  schlug,  die  Reibe
entlang  schreitend,  in  jede  Fahne  den  ersten  Magel,  während  die  Deputationen
  der  neuen  Regimenter  an  den  änden  der  Himmer  entlang
ihre  Aufstellung  erbalten  hatten.  Dann  folgten  die  Königin,  die  Hrinzessinnen
  und  Hrinzen  des  Königlichen  Hauses  nach  ihrem  Geburtsrange,
die  fremden  Fürsten  und  die  Generale.

Der  Nagelung  folgte  am  18.  Jannar,  dem  Jahrestage  der  Errichtung
  des  preußischen  Königtums,  die  Einweihung.  vor  dem  Denkmale
Friedrichs  des  Großen  unter  den  Linden  war  ein  Altar  aus  Trommeln