294  Drittes  Kapitel.

errichtet,  und  um  dasselbe  waren  die  neuen  Regimenter  teils  in  ihrer
ganzen  Stärke,  teils  nur  in  den  Kompanien  und  Schwadronen,  die  zur
Empfangnahme  der  Fahnen  und  Standarten  abgeordnet  waren,  aufge—
stellt.  Unter  der  Bedeckung  der  Leibkompanie  des  Ersten  Garderegiments
zu  Fuß  wurden  die  Fahnen  aus  dem  Schlosse  abgeholt,  mit  denen  die
Fahnenträger  in  drei  Gliedern  Aufstellung  nahmen,  dem  Alltare  gegenüber.
  Im  ersten  Gliede  standen  14  Fahnen  der  Garde,  10  Standarten,
8  Fahnen  der  Füsilierregimenter,  6  Fahnen  der  Jägerbataillone  und
8  Fahnen  der  Hionierbataillone.  Im  zweiten  Gliede  standen  48  Fahnen
der  Infanterieregimenter  Tr.  41—56,  im  dritten  endlich  48  Fahnen  der
Regimenter  Nr.  57—72.

Zetzt  schwenkten  die  Truppen  ein  und  bildeten  drei  Seiten  eines
Dierecks,  dessen  vierte  Seite  der  Altar  bezeichnete.  Die  übrigen  Truppenteile
  außerhalb  des  Dierecks  schwenkten  zur  Stelle,  die  Infanterie  mit
Sügen  rechts,  die  Kavallerie  mit  Sügen  links  ein  und  rückten  in  Kolonnen
auf  ihre  Hlätze.  Begleitet  von  allen  königlichen  Hrinzen,  von  einem
glänzenden  Gefolge  umgeben  trat  der  König  in  das  Diereck,  empfangen
von  den  Ehrenbezeigungen  der  Truppen  und  den  Klängen  aller  versammelten
  Musikcorps.  Der  Feldpropst  Thiessen  hielt  die  Weiberede;  ergreifend
  und  erhebend  sprach  er  zu  den  Berzen  der  Krieger.  Mit  dem
TChorale:  „Gieb  uns  Mut  in  den  Gefahren,  wenn  der  Feind  uns  einst
bedroht“  schloß  die  Feier.  Die  Fahnenträger  traten  jetzt,  jeder  mit  seiner
Fahne  zu  ihren  Truppenteilen,  welche  die  einrückende  Fahne  mit  Burra
empfingen.  Dann  begann  der  Abmarsch.  Der  König  stellte  sich  mit
seinem  Gefolge  vor  der  Universität  auf.  An  ihm  vorüber  zogen  die
glänzenden  Kolonnen  der  abrückenden  Truppen,  unablässig  in  freudig
erregter  Stimmung  mit  feurigen  Hurrarufen  ihren  Kriegsberrn  begrüßend,
dem  wohl  ein  Eefühl  des  Stolzes  über  das  großartig  gelungene  Werk
die  Brust  schwellen  mochte.

Indessen,  während  der  hochbedeutsame  militärische  Akt  jedes  Hreußenherz
  erbob,  konnte  die  Dolksvertretung  nur  mit  Mühe  den  Entschluß
finden,  die  Kosten  für  die  Heeresreform  wenigstens  im  Extraordinarium
des  Stats  zu  bewilligen.  Auch  dafür  sprach  ihr  beim  Schlusse  des  Landtages
  der  König  (am  5.  Juni)  seinen  Dank  aus,  in  der  Erwartung,  daß
das  nächste  Abgeordnetenhaus  die  Summe  (25  Millionen  Thaler)  in  das
Ordinarium  übernehmen  und  damit  die  Reorganisation  als  dauernde
Einrichtung  anerkennen  würde.  Denn  mit  dieser  Tagung  endete  das
Mandat  des  Abgeordnetenhauses:  im  Berbst  aber  war  das  neue  zu
wählen.