Die  Krönung.  303

Gästen  die  „Krönungsbotschafter“  der  fremden  Mächte  sowie  das  ganze
diplomatische  Corps  brachte.  Nach  Staaten  waren  die  Coupés  eingeteilt
und  durch  entsprechende  Aufschriften  an  den  Thüren  kenntlich  gemacht,
während  die  letzten  Wagen  mit  der  Aufschrift  Corps  diplomatique  nicht
weniger  als  116  Bediente  der  Gesandten  bargen.  Da  wurde  es  denn
für  ein  paar  Stunden  in  dem  alten  ehrwürdigen  Schloßbau  unruhig
genug.

Am  folgenden  Mittage  fand  die  feierliche  Auffahrt  der  Krönungsbotschafter
  sowie  derjenigen  Gesandten  statt,  die  für  die  Krönung  mit
besonderen  Kreditiven  versehben  waren.  Am  Worgen  schon  hatte  der
König  dem  Einmarsche  der  Regimentsabordnungen,  welche  die  Fahnen
und  Standarten  der  Armee  zur  Krönung  brachten,  beigewohnt.  Es  war
ein  ernstes  Wort,  das  er  dabei  an  die  Generalität  und  die  Regimentskommandeure
  gerichtet  Ratte:  „Don  Gottes  RKänden  ist  mir  die  Krone
zugefallen,  und  wenn  ich  mir  dieselbe  von  Seinem  geweihten  Tische  auf
das  Haupt  setzen  werde,  so  ist  es  Sein  Segen,  der  sie  mir  erhalten  wolle.
Sie  zu  verteidigen  ist  die  Armee  berufen,  und  Hreußens  Könige  haben
die  Treue  derselben  noch  nie  wanken  sehen.“  Jetzt  nun  begab  er  sich
in  den  Thronsaal,  um  in  einer  langen  Reihe  von  Audienzen  die  Botschafter
  zu  empfangen.  Es  ist  Sitte,  daß  bei  solchen  Audienzen  der
Landesherr  die  Orden  desjenigen  Souveräns  anlegt,  dessen  Gesandter
empfangen  wird.  Selbst  in  solchen  äußerlichen  Dingen  war  König  Wilhelm
  bedacht,  das  zu  wahren,  was  er  als  eine  höfliche  Aufmerksamkeit
ansah.  Nach  jeder  Audienz  zog  er  sich  zurück,  um  die  Orden  des  nächstkommenden
  Staates  anzulegen,  so  daß  die  Auffahrt  bis  gegen  5  Uhr
sich  hinzog.

Am  Abend  begann  die  Reihe  der  glänzenden  Krönungsfestlichkeiten
mit  dem  Fest  im  Sommertheater,  das  die  Stände  der  Hrovinz  Hreußen
dem  Könige  gaben.  Mit  schwungvollen  Worten  gab  bei  demselben  Graf
Dohna-Lauck,  der  Obermarschall  im  Königreich  Dreußen,  dem  Wunsche
der  Stände  Ausdruck,  daß  „die  so  erhabene,  als  bedeutungsvolle  Krönungsfeier
  alle  heiligen  und  edlen  Bande,  welche  König  und  Dolk  in  Dreußen
so  lange  vereinigt,  aufs  neue  weihen  und  für  alle  Sukunft  befestigen“  möge.

„Wenn  so  das  Dolk“,  erwiderte  der  König,  „in  Treue  und  Hingebung
  mit  seinem  Könige  geht,  so  wird  die  Sukunft  Hreußens  unter
Gottes  gnädigem  Schutze  auch  unter  Stürmen  gesichert  sein."

Am  nächsten  Tage  —  am  17.  Oktober  —  empfing  der  Rönig  die
Mitglieder  der  beiden  Räuser  des  Landtages.  „Es  war  mir  ein  Bedürfnis“
  —  sagte  er  zu  ihnen  —  „die  Dertreter  des  Landes  noch  vor