304  Drittes  Kapitel.

der  Krönung  um  mich  zu  versammeln,  und  ich  danke  Ihnen,  daß  Sie
meinem  Wunsche  gefolgt  sind.  Die  Herrscher  Preußens  empfangen  ihre
Krone  von  Gott.  Ich  werde  deshalb  morgen  die  Krone  vom  Tische  des
Herrn  nehmen  und  sie  auf  mein  Haupt  setzen.  Dies  ist  die  Bedeutung
des  Königtums  von  Gottes  Gnaden,  und  darin  liegt  die  Heiligkeit  der
Krone,  welche  unantastbar  ist.  Ich  weiß,  daß  Sie  selbst  den  Sinn  des
Aktes  so  verstehen,  zu  dessen  Zeugen  ich  Sie  berufen  habe.  Die  Krone
ist  mit  neuen  Institutionen  umgeben;  Sie  sind  nach  denselben  bernfen,
der  Krone  zu  raten.  Sie  werden  mir  raten  —  auf  Ihren  Rat  werde
ich  hören.“

Am  Vachmittage  hielt  der  König  ein  feierliches  Kapitel  des  Hohen
Ordens  vom  Schwarzen  Adler  in  der  Schwarzen  Adlerkammer  ab.  Es
war  dies  das  Zimmer,  in  welchem  am  17.  Januar  1701  einst  König
Friedrich  I.  den  Orden  gestiftet  hatte.  Seitdem  war  jedoch  kein  Kapitel
mehr  in  ihm  gehalten  worden.  Den  Abend  erfüllte  das  Fest,  welches
die  Stadt  Königsberg  dem  Herrscherpaare  gab,  indem  sie  in  drei  lebenden
Bildern  ihm  sinnig  ihre  Huldigungen  darbrachte.

Nun  war  der  Krönungstag,  der  18.  Oktober,  da.  Es  war  der
Geburtstag  des  Kronprinzen,  der  sein  50.  Lebensjahr  vollendete;  es  war
der  Jahrestag  der  Leipziger  Dölkerschlacht,  die  Deutschland  fast  ein  halbes
Jahrhundert  zuvor  die  Befreiung  von  verhaßter  Fremdberrschaft  gebracht;
es  war  aber  auch  der  Gedenktag  der  Huldigung  der  Stände  des  Herzogtums
  Hreußen,  die  der  Große  Kurfürst  am  18.  Oktober  1665  in  demselben
  Königsberg  entgegengenommen  hatte.

Beziehungsreich  war  der  Tag  gewählt;  beziehungsreich  war  auch
der  Ort  durch  den  Dorgang  der  Krönung  König  Friedrichs  I.  Als  ein
mächtiges  Diereck  von  107  Meter  Länge  und  60  Meter  Breite  legt  sich  der
Schloßhof  zwischen  das  Schloß  und  die  Schloßkirche.  Ausreichenden  Raum
gewährte  er  für  die  Krönungszeugen  wie  für  die  zuschauende  Menge.
Rings  um  den  Hof  waren  Wastbäume  aufgestellt,  an  denen  die  Haniere
der  Orovinzen,  Berzogtümer,  Grafschaften  und  Herrschaften  angebracht
waren,  die  das  Königreich  Hreußen  bildeten.  Unter  diesen  Hanieren
waren  auf  drei  Seiten  die  Innungen  und  Gewerke  mit  ihren  Fahnen
und  Abzeichen  aufgestellt.  Die  vierte  Schmalseite  blieb  frei;  hier  war
ein  breiter  Balkon  dem  ersten  Stockwerke  des  Schlosses  vorgelegt,  auf
den  man  unmittelbar  aus  den  Simmern  heraustrat,  während  eine  Freitreppe
  von  ihm  auf  den  Krönungsweg  nach  der  Kirche  hinabführte.

Unter  den  Klängen  des  Hariser  Einzugsmarsches  marschierten  die
Abordnungen,  welche  mit  ihren  Fahnen  und  Standarten  sämtliche  Regi-