Die  Krönung.  307

mit  Gerechtigkeit  das  Dolk  regieren  sollt,  verleihe  Euch  Seine  Gnade,
daß  Ihr  allezeit  ein  Septer  führet  in  Gerechtigkeit  und  Liebe  gegen
unsern  Herrn  Zesum  Christum!“

Darauf  nahm  der  König  den  Reichsapfel.  Der  Geistliche  betete
dazu:  „Gott,  der  Allmächtige,  verleibe  Euch  Seine  Gnade,  daß  Ihr  das
Reich  in  Macht  und  Wohlstand  erhalten  möget,  Ihm  zum  Hreise  und
zur  Ehre,  Euch  zum  Ruhme  und  dem  Lande  zum  Nutzen,  zur  Freude
und  Einigkeit!“

Nachdem  der  König  nun  nochmals  zu  dem  Kruzifix  emporgeblickt,
wandte  er  sich  zur  Gemeinde,  das  Septer  in  der  ausgestreckten  Rechten.

Denkmünze  nuf  die  Krüönnng  König  Wilhelms  I.  um  18.  Oktober  1861.
(Mönigl.  Münzkabinett  in  Berlin.)

Dann  wanodte  er  sich  wieder  zum  Altare,  legte  den  Zeichsapfel  nieder
und  nahm  statt  dessen  das  Schwert,  während  der  Geistliche  betete:  „Gott,
der  Cuch  das  Schwert  anvertraut  hat  zum  Schutze  der  Krommen  und
Rechtschaffenen,  zur  Strafe  der  Ungerechten  und  derer,  die  das  Land  in
Derderben  bringen  wollen,  gebe  Euch  Seine  heilige  Gnade,  daß  Ihr
allezeit  getrost  und  männlich  seid  und  Euren  Auftrag  zur  Ehre  Gottes,
zum  Frieden  Eures  Gewissens  und  zur  Wohlfahrt  Eurer  Unterthanen
ausrichten  möget  durch  Jesum  Christum!“  Damit  reichte  der  König  das
Reichsschwert  dem  Gberburggrafen,  der  es  getragen,  zurück,  legte  die
beiden  Arme  auf  den  Altar  und  betete,  den  Kopf  darauf  neigend,  in
stiller  Andacht.  Darauf  bestieg  er  wieder  den  Thron,  die  strahlende  Krone
auf  dem  Raupte,  in  der  Hand  das  Septer.

Die  Königin  kniete  indessen  in  frommer  Sammlung  am  Altare.
Der  Krönungsmantel  ward  ihr  umgelegt,  und  tief  verneigte  sie  sich  vor
dem  Rönige,  der  wieder  zum  Altare  emporstieg.  Graf  von  der  Gröben
reichte  auf  einem  Kissen  ihm  die  Königinnenkrone  dar;  der  König  ergriff

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