308  Drittes  Kapitel.

sie  und  setzte  sie  seiner  Gemahlin  aufs  Haupt,  während  der  Geistliche
betete:  „Der  Allmächtige  Gott,  der  Herr  des  Himmels  und  der  Erde,
stärke  Euch  in  allen  Pflichten  und  königlichen  Tugenden  in  Jesu  Christo!“

Gemeinsam  knieten  darauf  der  König  und  die  Königin  betend  vor
dem  Altare  nieder.  Auf  ein  Zeichen  des  Kronprinzen  sanken  nun  auch
alle  Anwesenden  auf  die  Kniee,  und  der  Geistliche  sprach  den  Segen  über
das  Königspaar  wie  über  das  ganze  Volk.  Unter  den  feierlichen  Klängen
der  Orgel  kehrten  darauf  die  Majestäten  zu  ihren  Thronen  zurück;  zur
Beglückwünschung  nahten  sich  ihnen  die  königlichen  Prinzen  und  Prin—
zessinnen,  und  die  vollen  Klänge  des  Tedeums  erfüllten  das  Gotteshaus.

In  derselben  Ordnung,  wie  er  eingezogen,  verließ  jetzt  der  Krönungszug
  die  Kirche.  In  der  vollen  Pracht  des  Krönungsornates,  die  Krone
auf  dem  Haupte,  in  der  Rechten  das  Zepter,  den  Reichsapfel  in  der
Cinken,  trat  der  König  in  das  Hortal,  frei  dem  ganzen  Volke  sichtbar,
und  tausendstimmiger  Jubelruf  empfing  ihn.  Dreimal  neigte  der  König
dankend  das  Zepter.  Auf  dem  ganzen  Krönungswege  geleiteten  ihn  die
begeisterten  Hochrufe  der  dicht  gescharten  Menge.  Oben  auf  der  Frei—
treppe  wandte  er  sich  zurück,  neigte  nochmals  dankend  das  Zepter  und
erwartete  das  Herannahen  der  Königin.  Auf  dem  Balkon  angelangt,
trat  die  Königin  an  die  Seite  ihres  hohen  Gemahls,  während  in  rauschenden
  Akkorden  „Heil  dir  im  Siegerkranz!“  von  den  dicht  gedrängt
im  innern  Schloßhofe  Dersammelten  angestimmt,  zu  dem  Herrscherpaare
empordrang.

Erst  als  die  Nationalhymne  verklungen  war,  traten  die  Majestäten
in  das  Schloß  ein.  Der  feierliche  Zug  durchschritt  es,  und  am  offenen
Fenster  zeigten  sie  sich  im  vollen  Krönungsschmucke  auch  dem  den  äußeren
Schloßhof  Kopf  an  Kopf  erfüllenden  Volke,  das  mit  begeisterten  Zurufen
sie  begrüßte.

Unterdessen  hatten  im  Thronsaale  die  königlichen  Prinzen,  die  Ritter
des  Schwarzen  Adlerordens,  die  Minister,  die  Oberpräsidenten,  die  Generale
und  die  Träger  der  Reichsinsignien  zu  beiden  Seiten  des  Thrones  Aufstellung
  genommen,  rechts  zunächst  der  Kronprinz,  links  zunächst  der  Feldmarschall
  Wrangel  mit  dem  Reichspanier.  Jetzt  trat  der  König  ein  und
ließ  sich  auf  dem  Thronsessel  nieder.  Der  Kardinalerzbischof  von  Köln
an  der  Spitze  der  acht  Bischöfe  des  Reichs  trat  vor,  dem  Könige  zu
huldigen  und  die  katholische  Kirche  dem  landesväterlichen  Schutze  des
Königs  zu  empfehlen.

Gern  verhieß  der  König  den  erbetenen  Schutz  mit  Gerechtigkeit  und
Wohlwollen,  aber  zugleich  sprach  er  die  zuversichtliche  Erwartung  aus,