Die  Krönung.  309

daß  die  Geistlichkeit  fortfahren  werde,  die  katholischen  Unterthanen  zur
Gottesfurcht,  zum  Geborsam  gegen  die  Obrigkeit  wie  zur  Achtung  vor
dem  Gesetz  anzuhalten.

Munmehr  nahte  an  der  Spitze  der  ehemals  reichsunmittelbaren
Standesherren  der  Fürst  von  Solms-Lich  dem  Chrone,  den  Herrscher  der
Treue  und  Bingebung  seiner  ersten“  Unterthanen  versichernd.  Mit  huldvollen
  Worten  erwiderte  der  König;  dann  erhob  er  sich  und  begab  sich
zu  der  großen  Freitreppe.  Rier  nahm  er  unter  dem  Thronhimmel  Dlatz,
während  die  Hrinzen  und  die  Reichswürdenträger  sich  wieder  zu  den
Seiten  ordneten.  An  den  offenen  Fenstern  des  Schlosses  erschienen  zugleich
  die  Königin  mit  der  Kronprinzessin  und  den  übrigen  Hrinzessinnen
des  HKöniglichen  Hauses.  »  .

Es  war  ein  Schauspiel,  feierlich  und  erhebend,  das  hier  im  Angesicht
der  dicht  gedrängten  Volksmenge  sich  vollzog.  Denn  durch  den  Mund
des  Präsidenten  des  Landtags  huldigte  dem  Herrscher  sein  ganzes  Volk.
Der  Prinz  zu  Hohenlohe,  Präsident  des  Herrenhauses,  legte  vor  dem
Throne  das  Gelöbnis  unwandelbarer  Treue  nieder,  und  in  schwungvoller
  Rede  gab  Simson,  der  Präsident  des  Abgeordnetenhauses,  den  Gefühlen
  der  gewählten  Volksvertreter  begeisterten  Ausdruck.  Im  Namen
der  entbotenen  Krönungszeugen  machte  der  Graf  zu  Dohna-Lauck,  Obermarschall
  im  Königreich  Hreußen,  den  Beschluß.  Er  gab  dem  Wunsche
Worte,  daß  diese  Kronenweihe  auch  eine  Weihe  für  das  ganze  Hreußenland
  werden  und  Herrschaft  und  Recht,  Gesetz  und  Sitte  an  eine  höhere
Ordnung  der  Dinge,  in  der  ja  ihr  ewiger  Ursprung  sei,  knüpfen  möge.

Buldreich  dankte  der  König  jedem  Redner.  Dann  erhob  er  sich
und  nahm  aus  den  Bänden  des  Miinisterpräsidenten  den  Text  der  Antwort
  entgegen:

„Don  Gottes  Gnaden  tragen  Hreußens  Könige  seit  160  Jahren  die
Krone.  Nachdem  durch  zeitgemäße  Einrichtungen  der  Thron  umgeben
ist,  besteige  ich  als  König  denselben.  Aber  eingedenk,  daß  die  Krone  nur
von  Gott  kommt,  habe  ich  durch  die  Krönung  an  geheiligter  Stätte  bekundet,
  daß  ich  sie  in  Demut  aus  Seinen  Händen  empfangen  habe.  Die  Gebete
  meines  Dolkes,  ich  weiß  es,  haben  mich  bei  diesem  feierlichen  Akt  umgeben,
  damit  der  Segen  des  Allmächtigen  auf  meiner  Regierung  rube.
Die  Liebe  und  Anhänglichkeit,  welche  mir  seit  meiner  Thronbesteigung
erwiesen  wurde  und  die  mir  soeben  in  erhebender  Weise  bekundet  wird,
sind  mir  Bürge,  daß  ich  unter  allen  Derhältnissen  auf  die  Treue,  Hingebung
  und  Gpferfreudigkeit  meines  Dolkes  rechnen  kann.  Im  Dertrauen
darauf  habe  ich  den  althergebrachten  Erbhuldigungs=  und  Unterthaneneid