310  Drittes  Kapitel.

meinem  treuen  Dolke  erlassen  können.  Die  wohlthuenden  Beweise  jener
Liebe  und  Anhänglichkeit,  die  mir  jüngst  bei  einem  verhängnisvollen  Ereignisse
  zu  teil  wurden,  haben  dies  Dertrauen  bewährt.  Gottes  Dorsehung
wolle  die  Segnungen  des  Friedens  dem  teueren  Haterlande  lange  erhalten!
Vor  äußeren  Gefahren  wird  mein  tapferes  Beer  dasselbe  schützen.  Dor
inneren  Gefahren  wird  Hreußen  bewahrt  bleiben;  denn  der  Thron
seiner  Könige  steht  fest  in  seiner  Macht  und  in  seinen  Rechten,  wenn
die  Einheit  zwischen  König  und  Dolk,  die  Hreußen  groß  gemacht  hat,
bestehen  bleibt.  So  werden  wir  auf  dem  Wege  beschworener  Zechte  den
Gefahren  einer  bewegten  Seit,  allen  drohenden  Stürmen  widerstehen
können.  Das  walte  Gottl!“

Der  König  hatte  geendet.  Voch  klangen  in  eines  jeden  Gemüt  die
tiefbedeutungsvollen  Worte  nach,  als  der  Meinister  des  Innern,  Graf
Schwerin,  bis  an  den  Rand  der  Freitreppe  vortrat  und  als  Erweisungen
der  Huld  des  Uönigs  die  Standeserhöhungen  und  Ordensverleihungen,
die  aus  Anlaß  der  Krönung  der  König  beschlossen,  mit  lauter  Stimme  verkündigte.
  Dann  erschien,  von  vier  andern  HBerolden  begleitet,  der  ZReichsherold
  zu  Oferde  vor  dem  Balkon.  Seinen  silbernen  Heroldsstab  hoch  erhebend,
  rief  er  aus:  „Es  lebe  König  Wilhelm!“  Dumpf  dröhnten  dazu  die
Kanonen  ihren  Salut,  während  die  sämtlichen  Meilitärkapellen  gleichzeitig
anstimmten  und  die  dicht  gescharte  Menge  kräftig  einfiel:  „Nun  danket
alle  Gottl!“

Der  König  erhob  sich;  dreimal  neigte  er  das  Septer  gegen  sein
Volk;  dann  zog  er  sich  mit  der  königlichen  Familie  in  die  inneren  Gemächer
des  Schlosses  zurück,  wo  ein  Festmahl  im  größten  Stile  die  weihevolle
Krönungsfeier  beschloß.  Ihr  Gedächtnis  auch  durch  ein  äußerliches
Seichen  festzuhalten,  stiftete  der  König  den  „Kronenorden“,  der  gleichwertig
  neben  dem  Roten  Adlerorden  stehen  sollte.

Am  Wontage,  den  20.  Oktober,  ließ  der  König  eine  religiöse  Rachfeier
  der  Krönung  in  der  Schloßkirche  abhalten,  der  er  selbst  mit  der
Königin  und  den  Königlichen  Drinzen  beiwohnte.  Dann  verließ  er  die
Krönungsstadt.  Auf  dem  Hlatze  vor  dem  Bahnbofe  war  die  ganze
Garnison  versammelt.  „Adien,  Kinder!“  rief  ihnen  der  König  zu,  bevor
er  mit  dem  kommandierenden  General  von  Werder  in  das  Hönigliche
Wartezimmer  eintrat.  Die  Königin  aber  hatte  alle  die  jungen  Damen,
die  bei  den  lebenden  Bildern  des  Festes  der  Stadt  mitgewirkt  hatten,  auffordern
  lassen,  auf  dem  Bahnsteig  zum  Abschied  zu  erscheinen.  Jetzt  trat
sie  in  Begleitung  der  Kronprinzessin  zu  ihnen  und  dankte  ihnen  für  jene
Darstellung.  Die  Kronprinzeß  stellte  nun  besonders  die  Darstellerin  der