Die  Krönüng.  313

Abend  an  die  Botschaft  angebaut,  an  dem  der  Herzog  von  Magenta  die
Ehre  erfuhr,  das  preußische  Königspaar  als  seine  Gäste  zu  empfangen.

Aber  doch  schöner  als  alle  diese  rauschenden  Feste  und  mehr  als  sie
des  Königs  Herz  ansprechend  war  die  Nachfeier,  die  seine  getreue  Hrovinz
  Schlesien  ihm  bereitete.  Der  König  war  nach  Breslau  gekommen,
um  am  12.  November  der  Enthüllung  des  Denkmals  seines  in  Gott
ruhenden  Vaters,  das  Kiß'  Meisterhand  geschaffen,  mit  der  Königin
beizuwohnen.  Die  Feier  war  vorüber,  als  eine  Deputation  das  Königspaar
  feierlich  in  den  Fürstensaal  des  Rathauses  geleitete,  wo  an  derselben
Stelle,  an  der  Friedrich  der  Große  am  7.  November  1741  die  Huldigung
der  schlesischen  Stände  entgegengenommen,  die  Thronsessel  für  die
Majestäten  aufgestellt  worden.

Hier  berichtete  nun  an  der  Spitze  der  sämtlichen  Bürgermeister  der
Provinz  der  Oberbürgermeister  Elwanger  von  Breslau,  daß  die  Städte
der  Provinz  beschlossen,  aus  ihren  Mitteln  ein  Dampfkanonenboot  zu
erbauen  und  auszurüsten,  das  sie  als  Krönungsgeschenk  dem  Könige  für
die  junge  preußische  Flotte  darböten:  worauf  der  Oberbürgermeister
Haltig  von  Görlitz  die  Stiftungsurkunde  verlas  und  dem  Könige  überreichte.
  Sichtlich  erfreut  erwiderte,  vor  dem  Thronsessel  stehend,  der  König:

„Mit  dankbarem  Herzen  nehme  ich  das  patriotische  Geschenk  an,
welches  Schlesiens  Städte,  und  Breslau  an  ihrer  Spitze,  mir  darbringen,
und  verleihe  gern  dem  Kanonenboote  den  von  Ihnen  gewünschten  Namen
„Schlesien“,  welcher  zu  allen  Zeiten  der  preußischen  Flotte  die  Sesinnungen
dieser  Orovinz  vergegenwärtigen  soll.

„Erhebend  ist  in  diesem  Raume,  den  die  Geschichte  geheiligt  hat,
jene  Gabe  durch  die  Stadt,  welche  nach  einem  noch  nicht  hundertjährigen
Besitze  der  preußischen  Krone  im  Jahre  der  vaterländischen  Erbebung
mit  dem  schönsten  Beispiele  voranleuchtete,  und  in  deren  Mitte  wir  soeben
dem  Schöpfer  jener  Erbebung  das  schöne  Denkmal  errichteten.

„Unsere  Flotte  ist  zwar  noch  klein,  aber  sie  wird  als  der  einzige
schöne  Rest  aus  einer  Seit  der  Verwirrung,  als  würdiges  und  hoffentlich
dereinst  glorreiches  Glied  der  altberühmten  Wehrkraft  Hreußens  sich  einfügen.
  Sie  dient  nicht  dem  Kriege  allein;  auch  im  Frieden  soll  die  Flotte  dem
Schutze  von  Bandel  und  Wandel  dienen,  und  die  letzten  Monate  beweisen,
wie  das  Erscheinen  unserer  Schiffe  auch  in  der  Ferne  dem  engeren  wie
dem  weiteren  Daterlande  nutzbringend  werden  konnte  und  werden  wird.

„Und  nun  empfangen  sie  nochmals  meinen  innigsten  Dank  für  diese
patriotische  Gabe,  als  Anerkennung  und  Aufmunterung  für  alle,  die  sich
an  diesem  großen,  zukunftreichen  Werke  beteiligen.“