Deutsche  Politik.  335

um  Preußens  Ehre  fand  der  Prinz  in  dem  jungen  Deichhauptmann
wieder.  Dazu  stimmten  ihre  politischen  Grundanschauungen  durchaus
überein.  Beide  sahen  sie  in  der  ungeschmälerten  Königsmacht  den  starken
Tragepfeiler  des  preußischen  Staates  und  in  Preußen  den  wahrhaften
Grundbau  Deutschlands.  Beide  beklagten  sie  im  Grunde  ihres  Herzens
König  Friedrich  Wilhelms  Entschluß,  seine  ererbten  Kronrechte  freiwillig
zu  gunsten  des  Volkes  zu  schmälern;  beide  beklagten  sie  in  den  März—
tagen,  daß  die  Krone  den  Schein  nicht  mied,  vor  ungesetzlicher  Empörung
sich  zu  beugen.  Der  Revolution  gegenüber  waren  sie  beide  gleich  kampf—
bereit,  gleich  unversöhnlich.  So  fehlte  denn  auch  Bismarck  unter  denen
nicht,  die  schon  auf  dem  Bahnhofe  in  Potsdam  den  Prinzen  von  Preußen
nach  seiner  Rückkehr  aus  England  am  7.  Juli  1848  empfingen.

Hier  aber  trennten  sich  ihre  Wege.  Der  Prinz  war  nicht  als  der—
selbe  aus  England  zurückgekehrt.  Im  lebhaften  Verkehre  mit  den  eng—
lischen  Staatsmännern,  zumal  mit  dem  Prinzgemahl  Albert  und  dessen
väterlichen  Freunde,  dem  vielerfahrenen  Baron  Stockmar,  hatte  er  für
die  deutschen  Freiheitsbestrebungen  regen  Anteil  und  vorurteilsfreies  Ver—
ständnis  gewonnen.  Namentlich  das  Interesse,  das  Preußen  daran  hatte,
sich  an  die  Spitze  dieser  Bewegung  zu  stellen,  erfüllte  ihn  ganz.  Ander—
seits  war  ihm  für  die  Gefahr  und  die  Unlauterkeit  der  Gegenbestrebungen
Esterreichs  der  Blick  geschärft.  In  den  nächsten  Jahren  steht  er  daher
durchweg  auf  der  Seite  derjenigen,  die  dem  Könige,  seinem  Bruder,  zu
entscheidenden  Schritten  in  der  deutschen  Einheitsbewegung  raten.  Denn
schon  damals  erfüllt  ihn  die  Überzeugung,  daß  Osterreich  aus  Deutschland
auszuschließen  und  dies  dann  unter  der  Führung  Preußens  zu  vereinen
sei;  erst  wenn  dies  geschehen,  sei  die  Verbindung  Gsterreichs  mit  Deutschland
  durch  ein  Bündnis  ins  Auge  zu  fassen.

In  dieser  Seit  war  es,  zu  Anfang  1840,  daß  sein  Neffe,  der  junge
Großberzog  Friedrich  Franz  II.  von  Mecklenburg-Schwerin,  der  wie  ein
Sohn  durch  rückhaltloses  Dertrauen  ihm  verbunden  war,  sich  mit  der
Bitte  um  Belehrung  über  die  deutsche  Frage  an  den  fürstlichen  Oheim
wandte.  Der  Hrinz  antwortete  ihm  im  Februar:  „Deine  Bemerkung
über  die  Stellung  Ssterreichs  neben  Deutschland  erscheint  mir  die  ganz
richtige.  Wenn  aber  Esterreich  erklärt,  in  Deutschland  bleiben  zu  wollen,
wird  es  sich  durch  die  Derhandlungen  in  Frankfurt  erst  ergeben,  wie  es
dies  versteht  und  auszuführen  gedenkt,  und  was  die  übrigen  Staaten  dazu
sagen  werden.  Hierzu  wird  freilich  eine  Derständigung  der  Fürsten  nötig
sein.  Ob  ein  Königskollegium  zustande  kommt,  muß  sich  gleichfalls  aus
den  bei  dem  Minister  Camphausen  eingebenden  Vorlagen  ergeben.  Wäre