352  Fünftes  Kapitel.

Bürgschaft,  daß  das  Gute,  soweit  es  vorhanden,  dem  Streben  nach
Besserem  nicht  ohne  Sicherheit  des  Erfolges  geopfert  werden  wird.

„Meine  zweite  Erwägung  ist  die,  daß  die  Erreichung  des  für  die
Zukunft  gesteckten  Zieles  durch  die  Wahl  des  Weges  wesentlich  beeinträchtigt
  oder  gefördert  werden  wird.  Unsere  Arbeiten  würden  Meiner
Ansicht  nach  dadurch  nicht  erleichtert  werden,  daß  Wir  sie  mit  einer  Zu—
sammenkunft  der  Souveräne  beginnen.  Es  erscheint  Mir  unerläßlich,  daß
einem  so  bedeutsamen  Schritt,  wenn  er  den  gewollten  Erfolg  haben  soll,
eingehende  Vorarbeiten  und  Konferenzen  Unserer  Minister  vorausgehen,
über  deren  Ergebnis  schließlich  von  den  Souveränen  die  Entscheidung  zu
treffen  sein  wird.

„Aus  diesem  Grunde  glaube  Ich  Mir  die  Annahme  der  Einladung
Eurer  Majestät  zum  16.  August  versagen  und  Eurer  Majestät  vorschlagen
zu  sollen,  daß  Wir  die  Fragen,  über  welche  von  den  Souveränen  sämtlicher
  Bundesstaaten  zu  beschließen  sein  wird,  zunächst  in  Ministerialkonferenzen
  der  Vertreter  der  17  Stimmen  des  engeren  Rates  der  Bundesversammlung
  beraten  und  feststellen  lassen.“

Auf  diese  sachlichen  Bedenken  ging  die  Antwort  des  Kaisers  Franz
Joseph  gar  nicht  ein,  sondern  lud  nur  den  König  ein,  wenn  die  Badekur
  sein  Erscheinen  hindere,  durch  einen  Hrinzen  seines  Rauses  in  Frankfurt
  sich  vertreten  zu  lassen.  Darauf  antwortete  König  Wilhelm  noch
an  demselben  7.  August  durch  ein  eigenhändiges  Schreiben,  in  dem  er  es
nochmals  ablehnte,  sei  es  selbst  in  Frankfurt  zu  erscheinen,  sei  es  einen
Drinzen  dorthin  zu  entsenden.  Sugleich  sandte  er  an  alle  befreundeten
Regierungen  telegraphisch  die  Aufforderung,  auch  ihrerseits  die  Einladung
nach  Frankfurt  abzulehnen.  In  einer  Depesche  an  Herrn  von  erther,
den  preußischen  Botschafter  in  Wien,  wurde  aber  dargelegt,  daß  es  der
Würde  des  Königs  nicht  entsprechend  sei,  an  einer  Dersammlung  teilzunehmen,
  deren  Sweck  mit  ihm  nicht  vorher  beraten  sei,  sondern  erst
auf  der  Dersammlung  selbst  im  einzelnen  ihm  mitgeteilt  werden  solle;
Mehrhbeitsbeschlüssen  des  in  Aussicht  genommenen  Bundesdirektoriums
könne  Hreußen  nimmermehr  seine  Selbständigkeit  unterordnen;  die  zu
berufenden  beratenden  Delegationen  seien  absolut  bedeutungslos;  vielmehr
  halte  Dreußen  an  einem  aus  Dolkswahlen  hervorgehenden  Harlamente
  fest.

So  ging  denn  ohne  König  Wilhelm  der  Frankfurter  ürstentag  vor
sich.  Mit  Jubel  begrüßte  die  alte,  immer  gut  österreichisch  gesinnte
Reichsstadt  die  einziehenden  Fürsten;  und  vollends  den  Kaiser  Franz
Joseph  empfing  sie  mit  rauschendem  Enthusiasmus.  Die  WMeinung  war,