Deutsche  Politik.  357

blendendem  Glanze  unternommene,  mit  lautem  Beifall  vielfach  begrüßte
Werk  in  sich  selbst  zusammenfiel.  sterreich  erklärte  die  preußischen
Dorbedingungen  für  „durchaus  unannehmbar“  und  gab  in  einer  am
50.  Oktober  nach  Berlin  gesandten  Note  ziemlich  unverhüllt  die  Absicht
zu  erkennen,  wenn  nicht  anders,  auch  ohne  Hreußen  sein  Bundesreformprojekt
  durchzuführen.  Eitles  Dornelbmen!  Der  Fürstentag  hatte  mit
zweifelloser  Deutlichkeit  gezeigt,  daß  ohne  Dreußen  und  vollends  gegen
Dreußen  für  Deutschland  nichts  durchgeführt  werden  könne.  Das  mußte,
wenn  irgend  etwas,  den  Gegensatz  der  beiden  deutschen  Großmächte
noch  mehr  verschärfen,  für  den  eine  ausgleichende  Lösung  sich  nicht
finden  ließ.

„Jede  fruchtbare  Bundesthätigkeit  ist  unmöglich“,  sagte  Großberzog
Friedrich  von  Baden  in  einer  Sitzung  des  Fürstentages,  „solange  zwei
Großmächte  dem  Bunde  angehören!“  Es  klang  wie  eine  arge  Ketzerei
in  dem  erlauchten  Kreise  und  war  doch  nicht  mehr,  als  die  schlichte
Wahrheit.