360  Sechstes  Kapitel.

in  Deutschland  entstand  eine  lebhafte  Parteibewegung,  voll  Verlangens,
daß  die  Regierungen  sich  von  dem  Londoner  Hrotokoll  lossagen  und  den
Drinzen  von  Augustenburg  mit  Waffengewalt  als  Herzog  von  Schleswig-Rolstein
  einsetzen  sollten.  Dieser  Mkeinung  war  auch  das  preußische  Abgeordnetenhaus;
  die  Ehre  Deutschlands,  erklärte  es,  verlange,  daß  sämtliche
Regierungen  den  Hrinzen  von  Augustenburg  als  den  rechtmäßigen  Herzog
anerkennten  und  ihn  in  der  Geltendmachung  seiner  Rechte  unterstützten.
Und  was  wäre  das  Ergebnis  gewesend  Daß  es  einen  deutschen  Kleinstaat
  mehr  gegeben  hätte,  zu  schwach,  sich  selbst  zu  schützen,  und  darum,
wie  die  andern  alle,  auf  den  starken  Arm  Hreußens  lediglich  angewiesen.
Und  zu  der  Flotte,  deren  es  doch  dazu  bedurft  hätte,  hatte  eben  dies
Abgeordnetenhaus  erst  unlängst  die  Mittel  der  preußischen  Regierung  abgeschlagen!


König  Wilhelm  indes  war  auf  die  Nachricht  vom  Tode  des  Hönigs
Kriedrich  von  vornherein  entschlossen,  da  Dreußen  aus  seiner  früheren
Einmischung  in  die  schleswig-holsteinische  Sache  wenig  Anerkennung  und
Ruhm  gewonnen  hatte,  jetzt  alles  daran  zu  setzen,  um  die  alte  Streitfrage
  zu  einer  dauernden  Lösung  zu  führen,  wie  sie  der  Ehre  und  den
Interessen  Deutschlands  entspräche.  Der  Weg  freilich,  den  das  Abgeordnetenhaus
  eingeschlagen  sehen  wollte,  war  der  verkehrteste  von  allen;
denn  er  mußte  notwendig  den  Einspruch  und  Widerstand  aller  Großmächte
  als  der  Unterzeichner  des  Londoner  Hrotokolls  wachrufen.  Hreußen
begnügte  sich  daher,  nachdem  es  mit  Ssterreich  Verständigung  gesucht,
beim  Bundestage,  um  zunächst  die  Rechte  Holsteins  zu  wahren,  die  rasche
und  kräftige  Ausführung  der  Bundesexekution  gegen  Dänemark  zu  beantragen.
  Bereitwillig  schloß  sich  Gsterreich  diesem  Schritte  an,  freilich
nur  um  das  entschlossen  vorgehende  Hreußen  zügeln  und  nach  Umständen
auch  hemmen  zu  können.  Den  fremden  Mächten  aber  gab  die  Bundesexekution,
  da  sie  nicht  gegen  frühere  Abmachungen  verstieß,  keinerlei  Anlaß
  zur  Beschwerde.  So  wurden  denn  von  Zundes  wegen  Hannover  und
Sachsen  beauftragt,  zunächst  Rolstein  zu  besetzen,  während  als  Reserve
ihnen  25000  Hreußen  und  15000  Ssterreicher  an  der  Elbe  nachrücken
sollten.

Freilich  die  geforderte  Kriegsanleihe  von  36  Millionen  Mark  schlug
das  preußische  Abgeordnetenhaus  der  Regierung  ab;  der  österreichische
Reichsrat  dagegen,  weniger  kurzsichtig  als  die  preußische  Linke,  bewilligte
ohne  weiteres  die  geforderten  6  Millionen  Gulden  für  den  gleichen  Sweck.

An  der  Eider  mußte  die  Bundesexekution  Halt  machen;  aber  die
Großmächte  gingen  einen  Schritt  weiter.  Gemeinsam  richteten  sie  an