Die  Befreiung  Schleswig-Holsteins.  363

Dänenwerk,  das  für  uneinnehmbar  gegolten,  war  ohne  ernste  Derteidigung
aufgegeben,  110  schwere  Festungsgeschütze  und  20  Feldgeschütze,  dazu
große  Dorräte  aller  Art  waren  erbeutet,  und  vor  allem,  wie  hob  der
große,  rasche  Erfolg  das  kriegerische  Selbstgefühl  des  Soldaten!

Unterdessen  rückte  auch  die  preußische  Garde,  die  den  linken  Flügel
der  Derbündeten  darstellte,  nach  Rorden  vor:  am  18.  Februar  stand  sie
an  der  Grenze  Jütlands.  Sollten  die  Derbündeten  sie  überschreiten,  da
sie  doch  einzig  zur  Befreiung  Schleswigs  ausgezogen  warend  ESsterreich
war  bedenklich:  es  fürchtete  bei  dem  Einmarsche  den  Einspruch  der
fremden  Mächte.  Und  wirklich  ließ  es  auch  England  in  Wien  wie  in
Berlin  nicht  an  eindringlichen  Dorstellungen  gegen  ein  weiteres  Dorrücken,
  das  Dänemark  ganz  zu  Boden  werfen  mußte,  fehlen  und  drang
mit  allem  Eifer  auf  die  Bewilligung  eines  Waffenstillstandes;  allein
Dreußen  hielt  es  vor  allem  für  nötig,  die  kriegerischen  Erfolge  zu  sichern,
und  dazu  bedurfte  es  durchaus  der  Besetzung  Jütlands.  Der  Sweck  derselben
  war  ein  dreifacher:  es  wollte  für  die  Wegnahme  deutscher  Schiffe
an  den  Dänen  Repressalien  üben,  die  dänischen  Streitkräfte  teilen  und  die
Dänen  zu  einer  baldigen  Beendigung  der  kriegerischen  Aktion  willig
machen.  So  gingen  denn  am  18.  Februar  die  Hreußen  über  die  Grenze
von  Jütland,  und  die  preußische  Garde  besetzte  Kolding,  die  erste  Stadt
auf  jütischem  Boden.

Der  geschickten  Unterhandlung  des  Generals  Sdwin  von  Wanteuffel
gelang  es,  in  Wien  die  Bedenken  des  Kaisers  Franz  Joseph  zu  überwinden.
  Um  der  Mahßregel  indes  einen  lediglich  militärischen  Anschein
zu  geben,  wurde  schon  damals  ein  Vorgehen  gegen  die  Düppeler  Schanzen
ins  Auge  gefaßt.  Denn  so  wurde  am  besten  jedem  Mißtrauen  der
fremden  Mächte  gewehrt.  Daher  gingen  jetzt  auch  die  Gsterreicher  über
die  jütische  Grenze,  erstürmten,  durch  preußische  Zeiterei  verstärkt,  in
einem  scharfen  Gefecht  am  8.  Alärz  Deile  und  zwangen  die  Dänen,
während  die  preußische  Garde  die  Festung  Fridericia  einschloß,  hinter  dem
LCimfjord  Sicherheit  zu  suchen.  Und  nun  erwies  König  Wilhelm,  da  der
eldmarschall  Wrangel  der  Stellung  eines  Böchstkommandierenden  sich
doch  nicht  ganz  gewackhsen  zeigte,  dem  Kronprinzen  das  Dertrauen,  am
50.  März  zu  befehlen,  daß  Wrangel  keine  Anordnung,  ohne  vorher  mit
dem  Kronprinzen  Rücksprache  zu  nehmen,  erlassen  solle:  womit  denn
thatsächlich  die  oberste  Heeresleitung  auf  den  jungen  Kronprinzen  überging.

Mit  frischem  Wagemut  gingen  allenthalben  die  Derbündeten  vor,
während  die  Dänen  je  länger  je  mehr  sich  auf  eine  vorsichtige,  fast
ängstliche  Derteidigung  beschränkten.  Selbst  zur  See,  wo  sie  doch  das