366  Sechstes  Kapitel.

Fahrwasser  im  Alsensunde  wie  im  Wenningbunde  tief  genug,  um  dem
Rolf  Krake,  dem  eisengepanzerten  Monitor  der  Dänen,  freie  Einfahrt  und
Verwendung  seiner  beiden  Kolossalgeschütze  zu  gewähren.

Zur  Eroberung  einer  so  außerordentlich  starken  Stellung  bedurfte
es  natürlich  umfassender  Vorbereitungen,  vor  allem  der  Herbeischaffung
schweren  Belagerungsgeschützes.  Am  13.  März  trafen  die  ersten  schweren
Kanonen  vor  Düppel  ein;  zwei  Tage  später  wurde  mit  der  Beschießung
begonnen.  Indessen  je  näher  man  an  die  Schanzen  herankam,  um  so
deutlicher  erkannte  man  ihre  Stärke.  Nur  durch  eine  regelrechte  Belagerung,
  nicht  durch  eine  Überraschung  konnten  sie  genommen  werden.
Am  30.  März  wurde  daher,  nachdem  Wochen  in  blutigen,  aber  ent—
scheidungslosen  Kämpfen  vergangen  waren,  mit  der  Aushebung  der  ersten
Parallele  begonnen.  Diesen  Schwierigkeiten  gegenüber  schlug  der  Oberst
von  Blumenthal  vor,  statt  einen  Sturm  auf  Düppel  zu  unternehmen,
nach  Alsen  überzusetzen,  dort  die  Dänen  entscheidend  zu  schlagen  und  so
den  Fall  der  Schanzen  ohne  weitere  Anstrengungen  herbeizuführen.  Wohl
war  es  ein  Wagnis,  aber  der  Kronprinz  hatte  volles  Vertrauen  zu  der
Energie  der  preußischen  Truppen,  denen  nur  bisher  die  Gelegenheit  zu
einer  größeren  Aktion  gefehlt  hatte.  Der  größte  Teil  der  Garde  wurde
nach  dem  Sundewitt  herangezogen,  um  die  26  Bataillone,  die  zu  dem
Übergang  nach  Alsen  bestimmt  waren,  frei  zu  machen,  und  die  Nacht
vom  2.  zum  53.  April  für  das  kühne  Unternehmen  angesetzt.  Alles  ließ
sich  günstig  an:  die  See  war  ruhig;  bei  dem  Dorfe  Ballegard  standen
die  schweren  Geschütze  aufgefahren,  die  dänischen  Kriegsschiffe  abzuwehren,
  welche  etwa  den  Ubergang  stören  sollten;  die  Mannschaften  waren
bereit,  in  Böten  und  Hontons  sich  einzuschiffen.  Da  schlug  um  Mitternacht
  plötzlich  das  Wetter  um;  in  mächtigem  Wogenschwall  erhob  sich
die  See;  selbst  die  wetterfesten  Schiffer  erklärten  eine  Uberfahrt  für  völlig
unmöglich.

Nach  diesem  Mißlingen  war  nicht  daran  zu  denken,  daß  man  die
Dänen  noch  ein  zweites  Mal  würde  überraschen  können.  Es  wurde
daher  die  regelmäßige  Belagerung  wieder  aufgenommen,  um  mit  Energie
und  Schnelligkeit  den  Sturm  vorzubereiten.  Dazu  würden  freilich,  meinte
der  im  preußischen  Lager  anwesende  französische  Militär-Bevollmächtigte,
Graf  Clermont-Tonnerre,  bei  der  Stärke  der  Schanzen  Monate  gehören;
allein  seine  Rechnung  war  irrig.  Binnen  zwei  Wochen  hatten  die
preußischen  Truppen  sich  so  weit  an  die  Werke  herangezogen,  daß
schon  auf  den  18.  April,  vormittags  10  Uhr,  der  Sturm  angesetzt
werden  konnte.