368  Sechstes  Kapitel.

Die  preußischen  Soldaten  nahmen  das  heilige  Abendmahl:  zu  siegen
oder  zu  fallen  waren  sie  entschlossen.  Aus  allen  Bataillonen  wurden
die  Sturmkolonnen  ausgelost;  denn  ein  jedes  verlangte  seinen  Anteil  an
dem  Kampfe.  In  der  milden  Frühlingsnacht  standen  sie  in  den  Laufgräben
  bereit.  Morgens  um  5  Uhr  begann  das  Bombardement;  stündlich
  steigerte  sich  dessen  Heftigkeit,  bis  um  8  Uhr  etwa  30  Schüsse  in
der  Sekunde  sielen.  Da  schlug  die  Turmuhr  in  dem  Dorfe  Düppel  zehn.
Mit  dem  Glockenschlage  schwiegen  sämtliche  Geschütze;  und  gleichzeitig
gegen  die  sechs  südlichen  Schanzen  rückten  im  TLaufschritte  die  Sturmkolonnen
  vor.  Noch  immer  waren  von  der  vierten  (letzten)  Harallele
bis  zu  den  Schanzen  400  Schritt  zurückzulegen.  Doran  eine  Kompanie
in  aufgelöster  Ordnung,  um  das  Feuer  mit  der  Besatzung  zu  unterhalten;
hinter  dieser  Hioniere  mit  Beilen,  Faschinen,  Hacken,  mit  Hulversäcken
zum  Wegsprengen  der  feindlichen  Halissaden;  ihnen  folgte  die  erste  Kolonne
  der  Stürmenden,  etwas  weiter  zurück  die  zweite.  Die  Tamboure
schlugen  an,  mit  Hurra  ging  es  vorwärts,  die  Schanzen  hinan.  Nach
sechs  Mlinuten  schon  war  die  erste  erobert,  nach  22  Minuten  alle  sechs.
Sofort  ging  es  nun  zum  Angriff  auf  die  vier  nördlicheren  Schanzen  bis
hinauf  zur  Böhe  der  Düppelmühle.  Ein  heißer  Kampf  entspann  sich
um  die  Mühle;  indessen  trotz  tapferer  Gegenwehr  der  Dänen  sind  die
Dreußen  nach  drei  Stunden  Herren  sämtlicher  Schanzen  und  des  Brückenkopfes,
  der  die  Schiffsbrücken  nach  Alsen  deckte.  Jetzt  drehten  sie  die
eroberten  Kanonen  um  und  feuerten  damit  auf  den  Rolf  Krake,  so  daß
dieser  doch  für  gut  fand,  schnell  abzudampfen;  und  hätten  die  Dänen
nicht  schleunigst  ihre  Schiffbrücken  über  den  Alsengrund  abgefahren,  so
würden  die  Hreußen,  von  Siegesfreudigkeit  fortgerissen,  gleich  den  flüchtenden
  Dänen  nach  Alsen  gefolgt  sein.  118  Kanonen  fielen  dem  Sieger
in  die  Hände,  der  Hreis  einer  der  glänzendsten  Waffenthaten,  von  denen
die  Kriegsgeschichte  zu  berichten  hat.

Die  nächste  Folge  des  Sieges  war,  daß  die  Dänen  es  aufgaben,
die  Festung  Fridericia  zu  verteidigen.  In  aller  Stille  zogen  sie  in  der
Nacht  des  28.  April  ab,  257  Kanonen  dem  siegreichen  Gegner  überlassend.


König  Wilbelm  hatte  am  Morgen  des  Düppeler  Siegestages  auf
dem  Tempelhofer  Felde  bei  Berlin  das  Füsilierbataillon  des  2.  Garderegiments
  zu  Fuß  vor  sich  exerzieren  lassen.  Don  da  ritt  er  nach  der
Stadt  zurück,  als  ihm  die  Depesche  des  Hrinzen  Friedrich  Karl  überreicht
wurde,  welche  die  glückliche  Eroberung  der  Schanzen  meldete.  Don
hoher.  Kreude  über  den  Sieg  erfüllt,  kehrte  der  König  sofort  auf  das