Die  Befreiung  Schleswig-Holsteins.  369

Exerzierfeld  zurück,  wo  jetzt  das  Füsilierbataillon  des  Kaiser  Franz-Garde-Grenadierregiments
  seine  Ubungen  machte.  Er  ließ  das  Bataillon  präsentieren
  und  teilte  dann  die  frohe  Siegeskunde  mit.  Mit  brausendem
Kurra,  mit  HBochrufen  auf  den  König  nahmen  die  Füsiliere  die  stolze
Mär  auf,  und  der  König  telegraphierte  an  den  Hrinzen  zurück:  „Tächst
dem  Herrn  der  Heerscharen  verdanke  Ich  Weiner  herrlichen  Armee  und
Deiner  Führung  den  glorreichen  Sieg  des  heutigen  Tages.  Sprich  den
Truppen  Meine  höchste  Anerkennung  und  Meinen  Königlichen  Dank  für
ihre  Leistung  aus."“

Wohl  hatte  der  König  Ursache,  des  Sieges  sich  von  Berzen  zu
freuen.  Denn  dieser  bewies,  daß  die  Reorganisation  der  Armee,  des
Königs  eigenstes  Werk,  ihre  erste  Drobe  glänzend  bestanden  hatte.  Dem
preußischen  Daterlande  war  damit  die  Stellung  wieder  erobert,  die  seit
den  Tagen  von  Glmütz  ihm  bestritten  war.  Denn  dem  kriegerischen
Geiste  der  Armee  hatte  der  langjährige  Frieden  keinen  Abbruch  gethan;
auf  dem  Schlachtfelde  hatte  sie  ebenso  Tüchtiges  geleistet,  wie  bisher  nur
auf  dem  Haradeplatz.  Wie  drängte  es  den  König  daher,  auf  dem
Ehrenfelde  sie  aufzusuchen  und  den  ruhmbekränzten  Siegern  für  ihre
todverachtende  Tapferkeit  persönlich  seinen  Dank  auszusprechen.

Nach  rascher  Machtfahrt  traf  der  König  am  Morgen  des  21.  April
in  Hamburg  ein,  wo  er  die  glückwünschende  Begrüßung  des  Senats  mit
der  Anerkennung  erwiderte,  daß  die  Leistungen  der  Truppen  in  Schleswig
  in  nichts  hinter  denen  des  ruhbmreichen  Jahres  1815  zurückständen.
Auf  dem  Bahnhofe  in  Flensburg  erwartete  ihn  der  Kronprinz:  welche
Freude  des  Wiedersehens  für  beide  nach  überstandenen  Gefahren,  nach
errungenen  Siegen!  Lange  hielten,  von  innerer  Bewegung  übermannt,
Vater  und  Sohn  sich  umschlungen.

Das  nächste  Siel  des  Königs  war  Schloß  Gravenstein,  wo  bisher
Drinz  Friedrich  Karl  sein  Hauptquartier  gehabt  hatte.  Das  Schloß,
1258  in  schmucklosem  Stile  erbaut,  hatte  den  Berzögen  von  Augustenburg
  gehört,  die  hier  alljährlich  eine  Seitlang  zu  residieren  pflegten.
1852  war  es  durch  Kauf  in  den  Besitz  des  Grafen  Moltke  übergegangen.
Es  war  ein  stattlicher  Bau,  weiß  getüncht,  wie  die  Sdelsitze  in  Schleswig
meist  es  sind,  mit  langen  Korridoren  und  hohen  Simmerreihen.  Bis  in
den  Februar  hatten  die  Dänen  darin  gehaust;  das  Souterrain  und  das
Erdgeschoß  hatten  sie  zu  Pferdeställen  gemacht,  und  als  sie  abzogen,  alles
Rausgerät  zerschlagen.  Die  preußischen  Hioniere  hatten  erst  Tische  und
Stühle  anfertigen,  und  die  preußischen  Schiffe  aus  ihren  Kajütten  entbehrlichen

  Hausrat  hergeben  müssen,  bevor  der  Hrinz  in  dem  Schlosse
Kaiser  Wilhelm.  24