372  Sechstes  Kapitel.

der  fröhlichen  Streiter  und  führte  ihre  Freude  zum  Gipfel,  indem  er
allen  mit  freier  Fahrt  mit  Post  und  Eisenbahn  einen  zweiwöchigen  Ur—
laub  in  die  Heimat  ankündigte.

Unterdessen  war  in  London  die  Konferenz  der  Großmächte  zusammengetreten,
  an  der  als  Hertreter  des  Deutschen  Bundes  auch  der  sächsische
Minister  von  Beust  teilnahm.  Es  gelang  ihr  denn  auch,  als  Einleitung
des  Friedensschlusses  einen  Waffenstillstand  zwischen  den  kriegführenden
Mkächten  zu  vermitteln.  Aber  Dänemark  wies  jede  Sumutung  nachzugeben
  mit  kurzsichtiger  RKartnäckigkeit  zurück;  es  glaubte  immer  noch,
wenn  es  auf  seine  Inseln  sich  zurückzöge,  den  Waffen  der  Derbündeten
widerstehen  zu  können.  Nebenbei  hoffte  es  unbelehrt  auf  Englands
Bilfe.  Und  wirklich  setzte  England  alles  daran,  wenn  es  auch  nicht  den
Entschluß  finden  konnte,  selbst  in  den  Krieg  einzugreifen,  doch  die  kriegfülrenden
  Derbündeten  von  einander  zu  trennen.  Einen  Moment  wollte
es  auch  scheinen,  als  wenn  Esterreich,  SEnglands  Andrängen  nachgebend,
die  Fortführung  des  Krieges  Hreußen  allein  überlassen  würde;  indes  eine
Susammenkunft  König  Wilhelms  mit  dem  Kaiser  Franz  Joseph  in  Karlsbad
  stellte  nicht  nur  das  alte  Sinvernehmen  zwischen  den  Herbündeten
her,  sondern  führte  auch  zu  Derabredungen  über  die  Fortführung  des
Feldzuges.  Somit  löste  sich  ohne  Ergebnis  am  25.  Juni  die  Konferenz
auf,  und  der  Krieg  begann  sofort  von  neuem.

Auf  der  Insel  Alsen  stand  in  wohl  befestigten  Stellungen  die  Hauptmasse
der  dänischen  Armee,  unangreifbar,  wie  sie  meinte,  durch  den  Alsensund
gegen  die  Hreußen  auf  dem  Festlande  gedeckt;  denn  aus  ihren  Schanzen
auf  dem  hohen  Inselufer  konnte  sie  jedes  Boot,  das  etwa  die  Überfahrt
wagte,  in  Grund  schießen  oder  mit  dem  Rolf  Krake  niederrennen.

An  Wrangels  Stelle  als  Böchstkommandierender  war  inzwischen
Drinz  Friedrich  Karl  getreten,  während  für  diesen  die  Hreußen  jetzt
General  Rerwarth  von  Bittenfeld  führte.  Die  nächste  Aufgabe  für  die
Dreußen  mußte  die  Dertreibung  der  Dänen  von  Alsen  sein.  Indessen
wie  viel  Schwierigkeiten  stellten  sich  dem  entgegen!  Es  galt  nicht  einen
Fluß,  sondern  im  Angesichte  des  Feindes  einen  Meeresarm  zu  überschreiten,
dessen  reißende  Strömung  und  Breite  das  Schlagen  einer  Brücke  unmöglich
  machten,  dessen  jenseitiges  Ufer  mit  zahlreichen  Schanzen  und  Batterien
  dicht  besetzt  war.  Auf  leichten  Böten  galt  es  sich  dem  Meere,
bedroht  von  Wind  und  Wetter,  anzuvertrauen,  während  die  Kriegsschiffe
des  Feindes  mit  ihren  Geschützen  das  Meer  bestrichen.  Es  galt,  selbst
wenn  die  Landung  der  ersten  Bataillone  gelang,  einem  überlegenen
Feinde  auf  der  Insel  entgegenzutreten,  der,  längst  auf  diesen  Angriff  vor-