Die  Befreiung  Schleswig-Holsteins.  373

bereitet,  während  des  Waffenstillstandes  Zeit  genug  gehabt  hatte,  alle
Vorkehrungen  zu  treffen,  um  jedem  Landungsversuche  mit  Nachdruck  zu
begegnen.  Allein  allem  erwiesen  sich  die  Preußen  gewachsen:  kühn  wurde
das  Unternehmen  beschlossen,  sorgsam  vorbereitet  und  dann  mit  so  kalt—
blütiger  Unerschrockenheit  ausgeführt,  daß  der  glänzende  Sieg  nur  mit
geringen  Opfern  erkauft  zu  werden  brauchte.

Die  Nacht  vom  28.  zum  29.  Juni  war  zur  Ausführung  des  Über—
ganges  bestimmt.  Das  Wetter  war  neblig;  der  Wind  wehte  entgegen.
Freilich  war  es  nicht  gelungen,  mehr  als  160  flachgehende  Kähne  in
der  Umgegend  aufzutreiben,  so  daß  immer  nur  5½/8  Bataillone  auf  einmal
  übersetzen  konnten.  Es  war  2  Uhr;  der  Morgen  begann  dunstig  zu
grauen  und  entschleierte  in  unbestimmten  Umrissen  den  Hochrand  der
Insel.  Geräuschlos  schifften  die  Truppen  von  der  Division  Mkanstein  in
Mützen,  ohne  Gepäck  sich  ein;  mit  umwickelten  Rudern  ruderten  die
Dontoniere.  In  den  vordersten  Böten  befanden  sich  die  Generale
Manstein  und  Röder.  Noch  waren  die  Böte  etwa  200  Schritt  von  der
Insel  entfernt,  als  die  Dänen  den  nahenden  Feind  erspähten.  Sofort
krachte  eine  Kartätschensalve  auf  die  Zöte.  „Hurra!“  riefen  die  Dreußen
und  gaben  Gewehrsalven  ab,  wo  es  im  Kebel  vor  ihnen  aufblitzte.  Die
Dontoniere  setzten  die  Ruder  ein,  daß  die  Stangen  sich  bogen.  Aus  den
Schanzen  auf  der  Insel  donnerten  die  Kanonen;  aus  den  Schützengräben
krachten  Salven  auf  das  Wasser.  Dom  Ufer  her  drähnten  die  schweren
Geschütze  der  Oreußen  die  Antwort;  hoch  über  die  Böte  weg  flogen  die
Granaten  in  die  dänischen  Schanzen  hinein.  Endlich  stoßen  die  Böte
auf;  watend  gewinnen  die  Soldaten  das  Ufer  und  stürmen,  des  Helotonfeuers
  nicht  achtend,  die  Köhen  hinauf.  Hartnäckig  verteidigt  sich  der
Feind  in  seinen  Gräben;  doch  bald  treiben  sie  ihn  in  die  Fohlenkoppel,
ein  nahes  Gehölz,  zurück.  Sugleich  flammen  auf  der  ganzen  Insel  Feuerzeichen
  auf,  die  Landung  der  Hreußen  weithin  ankündigend.  Da  kehren
auch  schon  die  Böte  mit  neuen  Bataillonen  zurück.  Durch  heftiges  Feuer
sucht  eine  seitwärts  liegende  Schanze  ihre  Landung  zu  verhindern.  Auch
der  Rolf  Krake  dampft  aus  einer  Bucht  heran  und  bestreicht  den  Sund
der  ganzen  Länge  nach  mit  seinen  Bomben;  aber  die  preußischen  Kugeln
aus  den  Uferbatterien  fallen  so  wuchtig  auf  seine  Eisenpanzer,  daß  er
nach  kurzer  Seit  das  Weite  sucht.

Um  5½  Uhr  morgens  ist  die  ganze  Division  WManstein  übergesetzt;
ihr  folgt  die  Division  Göben;  auch  Feldgeschütze  werden  herübergeschafft,
so  daß  das  Mißverhältnis  der  Sahl  allmählich  sich  ausgleicht.  Wohl
leisten  die  Dänen,  nachdem  sie  Derstärkungen  an  sich  gezogen,  heftigen