374  Sechstes  Kapitel.

Widerstand.  Bei  der  Rönhoffschanze  entspinnt  sich  ein  hitziges  Gefecht;
allein  schon  um  6  Uhr  ist  es  entschieden.  Die  Dänen  werden  auf  Kjär,
dann  auf  Ulkebüll  und  Sundsmark  zurückgeworfen;  um  8  Uhr  räumen
sie  die  Stadt  Sonderburg,  im  Abziehben  sie  in  Brand  steckend,  so  daß  die
Dreußen  den  Brand  löschen  müssen,  und  schiffen  sich  endlich  auf  der
Ralbinsel  Kekenis  in  großer  Unordnung  nach  der  Insel  Fünen  ein.  Um
2  Uhr  nachmittags  befand  sich  kein  dänischer  Soldat  mehr  auf  der
Insel.  2600  Gefangene,  90  Kanonen,  26  Danebrogs  bestätigten  den
glänzenden  Sieg  der  Hreußen,  diesen  —  wie  Prinz  Friedrich  Karl  in
seinem  Armeebefehl  sagte  —  „in  der  Kriegsgeschichte  einzig  dastehenden
Übergang  über  einen  Meeresarm,  diesen  Sturm  zu  Wasser  gegen  gut
verteidigte  Schanzen.“  Wohl  verdient  war  darum  auch  die  Bewunderung,
  mit  der  Europa  die  Kunde  von  dem  Ubergange  der  Hreußen  nach
Alsen  allerorten  aufnahm.

Unverweilt  besetzten  die  siegreichen  Hreußen  jetzt  auch  Nordjütland.
Bei  heftigem  Sturm  ging  General  Dogel  von  Falckenstein  auf  100  Kähnen
über  den  breiten  Limfjord,  ohne  daß  die  Dänen  auch  nur  den  Dersuch
machten,  ihn  zu  hindern.  Und  am  12.  Juli  wehte  schon  die  preußische
Flagge  auf  Kap  Skagen,  der  10  Meter  hoch  aus  dem  Meere  aufsteigenden
Nordspitze  von  Jütland,  bis  wohin  seit  den  Tagen  Kaiser  Ottos  I.  kein
deutscher  Kriegsmann  mehr  vorgedrungen  war.  Und  wenige  Tage
später  mußte  sich  auch  Kapitän  Kammer  mit  seiner  Flotille,  die  das
Wattenmeer  gedeckt  hatte,  auf  der  Insel  Föhr  ergeben.

Die  Wirkung  dieser  raschen  Erfolge  auf  die  demokratischen  Hitzköpfe
in  Kopenhagen  war  außerordentlich;  trotzig  hatten  sie  eben  noch  jedem
Frieden  widerstrebt:  jetzt  saben  sie  im  Geiste  schon  die  Hreußen  nach
Künen  übersetzen  und  Seeland  und  Kopenhagen  bedrohen.  Kleinmütig
verlangten  sie  jetzt,  daß  die  Reste  von  Heer  und  Flotte  zur  Derteidigung
um  die  Reichshauptstadt  gesammelt  würden.  König  Christian  entließ
daher  sein  eiderdänisches  Ministerium  und  berief  Mkänner  gemäßigten
Sinnes  mit  dem  Auftrage  in  den  Rat  der  Krone,  den  Frieden  mit  den
siegreichen  Großmächten  anzubahnen.  Diese  bewilligten  denn  auch  eine
kurze  Waffenruhe  zur  Einleitung  des  Friedens.  Als  Grundlage  für  diesen
stellte  aber  Dreußen  die  Forderung  auf,  daß  die  drei  Herzogtümer
Schleswig,  Holstein  und  Lauenburg  von  Dänemark  völlig  an  die  verbündeten
  Sieger  Hreußen  und  Csterreich  abgetreten  und  der  Frieden  ohne
jede  fremde  Einmischung  abgeschlossen  würde.  GEsterreich  schloß  sich  dieser
zweifachen  Forderung  Hreußens  durchaus  an,  so  daß  Dänemark  nicht
umhin  konnte,  sie  anzunehmen.  So  wurde  denn  am  30.  Oktober  1864