Die  Befreiung  Schleswig-Holsteins.  375

in  Wien  der  Friedensschluß  unterzeichnet,  durch  den  der  König  von
Dänemark  alle  seine  Rechte  auf  die  drei  Herzogtümer  an  den  Kaiser  von
Osterreich  und  den  König  von  Hreußen  abtrat,  indem  er  sich  zugleich
verpflichtete,  „die  Dispositionen,  welche  Hreußen  und  Esterreich  in  Bezug
auf  die  RBerzogtümer  treffen  würden,  anzuerkennen“.  Kriegskosten  wurden
nicht  verlangt.

Welch  ein  Erfolg!  Döllig  waren  die  Berzogtümer  aus  jeder  Derbindung
  mit  Dänemark  befreit,  und  damit  für  Deutschland  ein  Suwachs
an  Land  und  Macht,  wie  seit  Jahrbunderten  nicht,  gewonnen.  Die
Schleswig-Rolsteiner  freilich  verlangten  mit  Zartnäckigkeit,  als  ein  selbstständiger
  Staat  anerkannt  zu  werden  und  den  Herzog  Friedrich  eingesetzt
zu  sehen.  War  aber  darum  das  Blut  so  vieler  Tapferen  geflossen,  daß
Deutschland  einen  Kleinstaat  mehr  erhielted  Der  Meinung  war  König
Wilhelm  nicht:  nur  dann  schien  ihm  der  Hreis  nicht  zu  hoch,  wenn  aus
den  Berzogtümern  „eine  wahre  NMordmark  zu  Deutschlands  Schutz  und
Trutz  zu  Lande  und  zur  See“  gemacht  würde.

Indessen  der  Bundestag,  ganz  eingenommen  für  den  Kleinstaatsgedanken,
  war  bedacht,  sich  eine  Stimme  bei  der  künftigen  Gestaltung  der
Elbherzogtümer  zu  sichern.  Er  ließ  daher  die  Bundestruppen  in  Holstein
stellen,  um  dem  Herzog  Friedrich  eine  Stütze  zu  gewähren.  Gerade  deswegen
  verlangte  Hreußen  ihren  Abzug;  und  GEsterreich  schloß  sich  diesem
Begehren  an.  So  mußte  denn  der  Bundestag  sich  fügen.  Denn  nur  die
beiden  Großmächte,  nicht  aber  der  Deutsche  Bund  waren  durch  den
Wiener  Frieden  die  Berren  der  Berzogtümer  geworden.  Das  Derlangen
aber,  das  bei  dieser  Gelegenheit  zu  Tage  getreten  war,  Hreußen  unter  die
Entscheidungen  des  Bundestages  zu  beugen,  beantwortete  die  preußische
Regierung  mit  der  bündigen  SErklärung,  daß  sie  eine  Berrschaft  der  Mehrheit
  des  Bundes,  welche  ihr  eigenes  Belieben  an  die  Stelle  der  Bundesverträge
  setzen  wolle,  in  keinem  Falle  dulden  würde.  Wenn  daher  die
deutschen  Regierungen  auf  die  Dorteile,  die  ihnen  der  Bund  gewähre,
Wert  legten,  so  müßten  sie  sich  sorgfältig  hüten,  durch  willkürliche  Überschreitungen
  das  gemeinsame  Band  zu  zerreißen.

Sopo  hatte  Hreußen  noch  niemals  zu  dem  Bunde  gesprochen.  Erschreckt
  drängten  sich  die  Mittelstaaten,  deren  Bestreben  von  jeher  auf
eine  Hemmung  der  preußischen  Holitik  gerichtet  war,  an  Esterreich  heran.
Denn  Graf  MWenzdorff-Houillp,  der  neue  TLeiter  der  auswärtigen  Angelegenheiten
  Gsterreichs,  kehrte  sichtlich  zu  der  alten  Hraxis  Gsterreichs
zurück,  die  Gegnerschaft  gegen  Dreußen  zu  betonen  und  die  deutschen
Mittelstaaten,  die  Hreußen  abgeneigt  waren,  zu  protegieren.  Daher  war