376  Sechstes  Kapitel.

es  denn  auch  für  die  Einsetzung  des  Herzogs  Friedrich  von  Augustenburg
und  begünstigte,  nachdem  die  Bundestruppen  aus  Holstein  abgezogen
waren  und  Sivilkommissare  der  beiden  Großmächte  die  Derwaltung  der
Herzogtümer  übernommen  hatten,  ganz  offen  die  Agitation  für  den  Berzog.
Auch  Hreußen  erwog,  wieweit  sich  die  Einsetzung  desselben  mit  dem  Interesse
Deutschlands  vereinigen  lasse.  In  einer  Mote  vom  22.  Februar  1865  formulierte
  es  die  Bedingungen  seiner  Anerkennung  dahin,  daß  die  Herzogtümer
dem  Sollvereine  beiträten,  ihr  Host=  und  Telegraphenwesen  an  Hreußen
übergäben,  ihre  Militärmacht  dem  Könige  von  Hreußen  zur  Verfügung
stellten,  der  dafür  den  Schutz  der  Herzogtümer  gegen  jeden  Angriff  übernähme,
  und  einige  strategisch  wichtige  Hunkte,  besonders  den  Kieler  Hafen,
abträten,  während  Rendsburg  Bundesfestung  würde.  Nur  so  konnte
Deutschland  Dorteil  von  der  Erwerbung  haben.  Esterreich  als  Mitbesitzer
billigte  diese  Bedingungen  mit  Ausnalme  der  militärischen;  Berzog
Friedrich  indessen  wies  sie  als  „unannehmbar“  zurück.  Damit  zerbrach
er  das  Brett,  auf  dem  er  stand.  Sein  Erbrecht  war  sehr  anfechtbar;
das  Gutachten  der  preußischen  Kronjuristen,  das  die  Regierung  eingefordert
  hatte,  wies  seine  Ansprüche  als  unbegründet  zurück,  und  durch
die  Agitation,  die  er  zuließ,  verscherzte  er  die  Sympathie  König  Wilhelms
vollends.  So  blieb  denn  nur  die  Einverleibung  der  Berzogtümer  in
Dreußen,  soweit  es  das  Mitbesitzrecht  sterreichs  zuließ,  ins  Auge  zu
fassen.  Allein  dieser  stand  das  Bedenken  entgegen,  daß  sie  Hreußen  eine
Machtverstärkung  nicht  bringen  konnten.  Denn  infolge  ihrer  Lage  legten
die  Elbherzogtümer  zu  ihrer  Derteidigung  die  Kräfte  Preußens  zu  Wasser
und  zu  Lande  fest,  während  sie  nicht  mehr  als  eine  Million  Einwohner
ihm  zubrachten.  Daß  er  dennoch  diese  Lösung  der  FKrage  ins  Werk  gesetzt
  und  durchgeführt  hat,  wer  sieht  darin  nicht  heute  ein  Derdienst
König  Wilhelms,  in  dem  seine  weise  Doraussicht  und  klare  Erfassung  der
Situation  sich  ausdrücktd

Freilich  das  Abgeordnetenhaus  in  Berlin  mutete  das  Entgegengesetzte
ihm  zu.  In  einer  Adresse  richtete  es  die  Bitte  an  den  König,  von  dem
Londoner  Dertrage  zurückzutreten,  den  Erbprinzen  von  Augustenburg  als
Herzog  von  Schleswig-Holstein  anzuerkennen  und  dahin  zu  wirken,  daß
der  Deutsche  Zund  ihm  in  der  Besitzergreifung  und  Befreiung  seiner
Erblande  wirksamen  Beistand  leiste.  Mit  ernstem  und  festem  Worte  wies
der  König  den  Versuch,  in  die  zweifellosen  Rechte  der  Krone  einzugreifen,
zurück.  Aber  die  Seiten  waren  vorüber,  wo  die  Vorgänge  im  Abgeordnetenhause
  noch  einen  tiefen  Eindruck  im  Lande  wie  vordem  gemacht
  hätten.  Swar  lehnte  auch  jetzt  noch  das  Haus  es  ab,  die  Kosten