378  Sechstes  Kapitel.

2.  die  Candwehroffiziere  hätten  sich  mit  gleicher  Tapferkeit  geschlagen,
wie  die  der  Linie,  und  hätten  überall  Lob  geerntet,  was  den  Beweis
liefere,  daß  der  einjährige  Freiwilligendienst  vollkommen  ausreiche,  um
Offiziere  zu  bilden;

5.  daß,  wenn  im  Jahre  1814  die  jetzigen  Hrinzipien  der  Reorganisation
  der  Armee  Anwendung  gefunden  hätten,  die  Defizits  im  Staatshaushalte
  bis  weit  über  das  Jahr  1850  gedauert  haben  würden.“

Ad  1.  Mit  scharfen  Strichen  zeichnet  der  Rönig  die  militärische
Erziehung.  „Mut,  Tapferkeit“,  sagt  er,  „sind  Eigenschaften,  die  allen
Menschen  mehr  oder  weniger  angeboren  sind;  sie  aber  unter  allen  Müh—
seligkeiten  und  Entbehrungen  des  Kriegs  aus  Oflichtgefühl  sich  zu  erhalten
  und  sie  im  entscheidenden  Augenblick  in  fester  Form  zur  Ausübung
  zu  bringen,  sich  zur  Ertragung  jener  Mühseligkeiten  und  Entbehrungen
  vorzubereiten,  dazu  gehört  eine  längere  Erziehung,  und  nur  wenn
dies  alles  in  gehörige  Wechselwirkung  gebracht  ist,  wird  der  Soldatengeist
  geschaffen.  Diesen  Geist,  namentlich  bei  langem  Frieden,  von  Geschlecht
  zu  Geschlecht  durch  Tradition  und  Ubung  zu  erhalten,  ist  die
Aufgabe  jedes  Kriegsherrn.  Ja,  es  ist  eine  seiner  höchsten  Oflichten,  weil
von  der  Tüchtigkeit  des  Heeres  und  von  dem  Geist,  der  es  belebt,  oft
die  Existenz  des  Daterlandes  abhängen  wirdl!  so  daß  eine  Vernachlässigung
auf  diesem  Gebiete  dem  Kriegsbherrn  zum  gerechten  Dorwurf  durch  seine
Mation  gemacht  werden  müßte!“  Wir  folgen  den  leitenden  Gedanken.
„Im  ersten  Dienstjahre  hat  der  Rekrut  seine  ganze  erste,  sehr  vielseitige
Instruktion  in  sich  aufzunehmen,  und  alles,  was  er  erlernt,  ist  vorläufig
Gedächtnissache.  —  Die  Erfahrung  lehrt,  daß  die  Masse  des  zu  Erlernenden
  im  ersten  Dienstjahre  den  Rekruten  zur  UÜberzeugung  von  der
MUotwendigkeit  des  Erlernten  noch  nicht  gelangen  läßt.  Erst  im  zweiten
Jahre  fängt  er  bei  den  Wiederholungen  des  in  sich  Aufgenommenen  an,
dasselbe  zu  verstehen  und  praktisch  selbständig  auszuführen.  Aber  er  ist
noch  lange  nicht  ein  Soldat,  der  durch  Beispiel  überzeugend  auf  den
Meuling  wirken  kann,  und  namentlich  nicht,  wenn  er  mit  dem  Ablaufe
seines  zweiten  Dienstjahres  die  Endschaft  seiner  Dienstzeit  erwartet,  weil
alsdann  der  Gedanke  an  seine  immer  näher  rückende  Entlassung  nur  zu
rasch  die  Freudigkeit  am  Dienst  erlahmen  läßt.  Erst  im  dritten  Dienstjahre
  fühlt  der  Mann  seine  Überlegenheit  über  den  neu  eintretenden  Ersatzmann,
  dem  er  nun  nicht  nur  als  Dorbild  aufgestellt  werden  kann,
sondern  wo  er  auch  selbst  als  Instruktor  auftritt,  indem  er  das  Erlernte
nicht  nur  vollständig  in  sich  aufgenommen  hat,  sondern  es  auch  andern
mitzuteilen  imstande  ist;  kurzum  er  fühlt  sich  nun  erst  als  Soldat  dem