380  Sechstes  Kapitel.

Der  König  zeigt  dann,  in  welcher  Weise  man  es  beim  Heere  erreicht
  habe,  daß  auch  die  Candwehroffiziere  mit  Erfolg  Dienste  leisten
konnten,  und  das  sei  um  so  leichter  zu  erreichen  gewesen,  als  „die  Bildungsstufe
  der  Klasse  der  Gesellschaft,  aus  welcher  diese  Offizieraspiranten,
noch  dazu  nach  einer  zu  bestehenden  Prüfung  hervorgehen,  zu  den  höheren
gehört;  ihre  Bildung  und  Gesittung  stellt  ihnen  die  Einsicht,  warum  sie
zeitweise  zum  Heeresdienste  verpflichtet  sind  klar  dar,  so  daß  nur  Routine
ihnen  nötig  ist,  um  tüchtige  Glieder  des  Heeres  zu  werden.“  Das  habe
sich  jetzt,  meint  der  König,  vollständig  bewährt;  daraus  aber,  wie  es
die  Opposition  thue,  den  Schluß  zu  ziehen,  daß  es  überhaupt  hinreiche,
als  Einjährig-Freiwilliger  ausgebildet  zu  werden,  um  ein  üüchtiger
Offizier  zu  sein,  sei  ein  Trugschluß,  den  nur  das  Harteigetriebe  aufstellen
  könne.

Ad  3.  Der  letzte  Abschnitt  der  Denkschrift  beschäftigt  sich  mit  Zudgetfragen.
  Der  königliche  Derfasser  stellt  die  Militärlasten,  wie  sie  1814,
1848  und  bei  den  durchgreifenden  Einrichtungen  seit  1851  dem  preußischen
  Dolke  auferlegt  waren,  unter  HBeranziehung  aller  einschlägigen
Fragen  mit  den  Oflichten  zusammen,  welche  die  von  ihm  durchgeführte
Reorganisation  fordere,  und  kommt  zu  dem  Schlusse,  „daß  es  doch  sehr
in  die  Augen  springend  sein  dürfte,  welche—-Erleichterung  dem  Lande
durch  die  Reorganisation  zu  teil  geworden,  indem  zum  dänischen  Kriege
nur  4—5000  Landwehrleute  eingezogen  wurden,  während  nach  den
(früher  bestandenen  Zestimmungen  über  50  000  Mann  Landwehr  hätten
einberufen  werden  müssen.  Und  faßt  man  die  in  Zeserve  aufgestellten
Truppen,  sowie  die  zum  Schutz  der  polnischen  Grenze  aufgestellten  ins
Auge,  so  würde  nach  der  alten  Landwehrorganisation  die  Mannschaft
von  6  Armeecorps  einberufen  worden  sein,  das  heißt  70  000  Mann
Landwehr.“

Auch  in  der  Thronrede,  mit  der  er  am  14.  Januar  1865  den  Landtag
  eröffnete,  weist  der  König  auf  die  großen  Dorzüge  der  Beeresreorganisation
  hin:  allein  vergeblich  hoffte  er  auf  einen  Umschwung  der
Stimmung,  auf  eine  Ausgleichung  des  Gegensatzes  zwischen  der  Regierung
und  dem  Abgeordnetenhause.  „Der  Wohlfahrt  Hreußens  und  seiner
Ehre“,  sagte  der  König,  „ist  mein  ganzes  Streben,  mein  Leben  gewidmet.
Mit  dem  gleichen  Siel  vor  Augen  werden  Sie,  wie  ich  nicht  zweifele,
den  Weg  zur  vollen  Derständigung  mit  meiner  Regierung  zu  finden
wissen  und  werden  Ihre  Arbeiten  dem  Daterlande  zum  Segen  gereichen.“
Allein  noch  war  der  Tag  nicht  da,  an  welchem  die  Nation  —  mit
Bismarck  zu  sprechen  —  auch  durch  den  Mund  ihrer  geordneten  Der-