Die  Befreiung  Schleswig-Holsteins.  381

treter  ihrem  Königlichen  Herrn  Dank  und  Anerkennung  aussprechen  sollte
—  wenn  auch  das  Volk,  wie  am  Einzugstage,  aus  eigener  Bewegung
es  that.  So  fand  auch  der  Gedanke  des  Königs  im  Volke  bereite  Zu—
stimmung,  sein  tapferes  Heer  durch  ein  Denkmal  in  der  Reichshauptstadt
zu  ehren,  das  —  nach  den  Worten  des  Königs  —  „den  kommenden
Geschlechtern  bezeugen  soll,  wie  in  Unserem  Volke  auch  nach  langem
Frieden  der  Geist  seiner  Väter  lebte,  wie  Unser  Heer,  das  Volk  in  Waffen,
mutig  und  wohlgeübt,  die  ererbte  kriegerische  Tüchtigkeit  in  Zucht  und
Ordnung  bewährend,  zu  Wasser  und  zu  Lande  die  Ungunst  der  Elemente
und  den  tapferen  Widerstand  der  Feinde  überwunden  hat,  dem  Könige
die  Treue  haltend  bis  in  den  Tod.“  Am  Jahrestage  des  Düppelsturmes
wurde  in  Berlin  der  Grundstein  feierlich  dazu  gelegt.

Doch  auch  in  die  Politik  griff  der  Gegensatz  der  Regierung  und
der  demokratischen  Landtagsmehrheit  hinüber.  Das  Gutachten  des  preußischen
  Kronspndikats  erklärte  die  Ansprüche  des  Herzogs  von  Augustenburg
durch  die  Abfindung,  die  sein  Dater  erhalten  hatte,  für  erledigt.  Damit
war  für  die  Regierung  diese  Kandidatur  beseitigt;  die  Linke  des  Abgeordnetenhauses
  hielt  dagegen  an  ihr  fest.  Das  war  auch  die  Stellung
Gsterreichs,  das  die  Umtriebe  und  Settelungen  der  augustenburgischen
Dartei  gegen  Hreußen  ruhig  mit  ansah,  ja  auch  gelegentlich  begünstigte.
Alle  Dorstellungen  Hreußens  dagegen  fruchteten  nichts,  so  daß  Dreußens
Miitbesitzerschaft  fast  zu  einem  Gespött  in  den  Herzogtümern  wurde.  Das
konnte  sich  Hreußen  nicht  bieten  lassen.  Immer  bedrohlicher  schärfte  sich
daran  der  alte  Gegensatz  der  beiden  Großmächte  von  neuem;  täglich
wuchs  die  Entfremdung,  ja  die  Spannung  zwischen  ihnen.  Endlich  griff
Dreußen  zur  Selbsthilfe:  es  wies  zwei  von  den  augustenburgischen  Agitatoren,
  die  mit  besonderer  Rührigkeit  thätig  waren,  eine  Entscheidung  der
Großmächte  von  vornherein  zu  vereiteln,  kurzerhand  aus  dem  Lande  und
verlegte  die  Zauptstation  der  preußischen  Marine  von  Danzig  nach  Kiel;
ja  König  Wilhelm  war  entschlossen,  wenn  der  Berzog  von  Augustenburg
sein  preußenfeindliches  Treiben  nicht  einstellte,  ihn  aufheben  und  auf
einem  Kriegsschiffe  nach  der  Festung  Hillau  bringen  zu  lassen.  Dor  Kiel
lag  die  Dineta,  der  Ordre  gewärtig.  Da  nahm  der  Herzog  doch  die
eindringlichen  Mahnungen  seiner  Gönner  am  Bundestag,  zumal  Baxerns,
zu  Berzen  und  machte  sich  auf,  den  stets  so  gütigen  Hreußenkönig  in
persönlicher  Susammenkunft  zu  versöhnen.  Alllein  jetzt  war  es  zu  spät;
wie  ein  Donnerschlag  traf  ihn  unterwegs  die  Kunde,  daß  die  beiden
Großmächte,  von  deren  Widerstreit  er  zu  gewinnen  hoffte,  sich  friedlich
miteinander  verständigt  hätten.  ·