Die  Befreiung  Schleswig-Holsteins.  385

Intrige  gegen  GEsterreich  aus,  deren  Siel  nur  die  Derwirklichung  eines
Bündnisses  zwischen  Frankreich  und  Hreußen  sein  könne.  Wohl  war
auch  in  Fortsetzung  der  Biarritzer  Unterredungen  in  St.  Cloud  die  Möglichkeit
  eines  preußisch-französischen  Bündnisses  erwogen  worden,  aber
doch  hatte,  der  Weisung  König  Wilhelms  entsprechend,  Bismarck  den
Abschluß  eines  solchen  als  noch  verfrüht  bezeichnet  eine  Auffassung,  der
auch  Napoleon  zustimmte,  während  er  ein  österreichisch-französisches
Bündnis  als  für  ihn  unmöglich  erklärte.  Auch  zu  Jtalien  gestalteten  sich
die  Beziehungen  Hreußens  nur  noch  freundlicher.  Der  Abschluß  eines
HZandelsvertrages  zwischen  beiden  Staaten  wurde  in  Aussicht  genommen.
Bauptsächlich  aber  war  es  die  Hoffnung,  durch  Hreußens  Mitwirkung
das  noch  österreichisch  gebliebene  Denetien  zu  erlangen,  die  Jtalien  der
norddeutschen  Großmacht  näher  brachte.

Diese  achtsame  Dflege  der  internationalen  Beziehungen  Hreußens
machte  für  König  Wilhelm  der  Hinblick  auf  die  Dinge  in  Holstein  zur
MNotwendigkeit.  Denn  wenn  dort  auch  anfangs  Gablenz  jeden  Anstoß
zu  vermeiden  gesucht  hatte,  so  schien  es  doch  sehr  bald  so,  als  ob  der
Gasteiner  Dertrag  Osterreich  wieder  leid  geworden  wäre:  so  offen  wurde
unter  den  Augen  des  österreichischen  Souverneurs  die  Angitation  gegen
Dreußen  in  HBolstein  getrieben.  Effentliche  Kundgebungen  und  Dolksversammlungen
  fanden  statt,  und  die  TLandespresse  triefte  förmlich  von
Derunglimpfungen  Dreußens.  Alle  Beschwerden  Hreußens  darüber
verhallten  aber  in  Wien  völlig  wirkungslos.  Wollte  Esterreich
erproben,  wie  viel  sich  Hreußen  bieten  lassed  Freilich  schien  durch
den  fortdauernden  Konflikt  mit  der  TLandesvertretung  die  Kraft
der  preußischen  Regierung  lahm  gelegt  worden  zu  sein.  Am
15.  Januar  866  war  der  TLandtag  eräöffnet  worden.  Seine  erste
Kundgebung  war  eine  Zede  des  Hräsidenten  Grabow,  in  der  dieser
der  feindseligen  Stimmung  der  Mehrheit  des  Hauses  durch  herausfordernde
Dorwürfe  gegen  die  Regierung  Ausdruck  gab.  Aber  auch  weiterhbin  war
die  Thätigkeit  des  Hauses  nicht  den  Gesetzesvorlagen,  sondern  Angriffen
auf  die  Regierung  zugewandt.  Es  mißbilligte  die  Erwerbung  des
Rerzogtums  Lauenburg,  obgleich  der  König  die  Mlittel  dazu  aus  seiner
Drivatschatulle  hergegeben  hatte;  es  griff  gegen  Art.  86  der  Derfassung
die  Unabhängigkeit  der  Gerichte  an;  es  erteilte  gegen  Art.  45  der  Derfassung
  den  Beamten  Vorschriften  in  betreff  ihrer  dienstlichen  Oflichten.
Die  Roffnung,  mit  ihm  zum  Frieden  zu  gelangen,  schien  also  ausgeschlossen.
So  ließ  denn  König  Wilhelm  am  25.  Februar  die  Sitzungen  des  Landtages
  schließen  und  berief  auf  den  28.  unter  Suziellung  Manteuffels

Taiser  Wilhelm.  25