Siebentes  Kapitel.
Die  Auseinandersetzung  mit  österreich.

Die  schleswig-holsteinische  Frage  war  zur  deutschen  Frage  geworden.
Infolge  der  Rüstung  Gsterreichs  begann  auch  Hreußen  in  den  letzten
Mlärztagen  mit  militärischen  Dorbereitungen.  Hand  am  Schwerte  standen
die  beiden  Gegner  sich  gegenüber.  Jeder  warf  dem  andern  vor,  zum
Kriege  herausgefordert  zu  haben;  jeder  lehnte  von  sich  den  Dorwurf  ab.
Seine  Friedensliebe  zu  bethätigen,  schlug  Gsterreich  gleichzeitige  Abrüstung
vor.  Sofort  war  Hreußen  dazu  bereit.  Allein  Esterreich  wollte  nur
gegen  Hreußen,  nicht  auch  gegen  Jtalien  abrüsten,  während  Hreußen
verlangte,  daß  die  Abrüstung  aller  drei  Alächte  eine  vollständige  sein
müsse.  Indessen  dies  lehnte  Gsterreich  ab.  Nun  versuchte  Mapoleon  zu
vermitteln:  im  Einverständnis  mit  England  schlug  er  vor,  die  streitigen
Fragen  durch  einen  Kongreß  der  Großmächte  zu  schlichten.  Damit  war
Hreußen  einverstanden;  Esterreich  jedoch  wollte  ihn  sich  nur  unter  der
Bedingung  gefallen  lassen,  „daß  von  keiner  Seite  ein  Anspruch  auf  eine
Gebietsvergrößerung  erhoben  werden  dürfe“.  Was  sollte  aber  der  Kongreß,
  wenn  von  vornherein  die  Entscheidung  über  Schleswig-Holstein  und
Venetien  ihm  entzogen  blieb  b  Dem  Bundestage  vielmehr  wollte  Esterreich
  die  Entscheidung  über  die  Elbherzogtümer  übertragen  sehen.  Dem
widersprach  Hreußen,  da  der  Wiener  Frieden  ausschließlich  die  beiden
Großmächte  zu  Herren  der  Herzogtümer  gemacht  habe.  Osterreich  gab
darauf  keine  Antwort,  während  es  doch  mit  aller  Beschleunigung  seine
Rüstungen  fortsetzte.  Ende  Mai  waren  diese  so  weit  gefördert,  daß  es
den  Dorsprung  vor  Hreußen  zu  haben  glaubte.  Und  nun  übertrug  es
am  1.  Juni,  ohne  Hreußen,  als  wenn  es  Alleinbesitzer  wäre,  vorher
auch  nur  zu  benachrichtigen,  die  Entscheidung  der  schleswig-holsteinischen
Angelegenheit  dem  Bundestage  und  beauftragte  Gablenz  zugleich,  auf
den  11.  Juni  die  holsteinischen  Stände  einzuberufen.

Das  war  ein  Faustschlag,  Dreußen  vor  aller  Welt  ins  Gesicht  gegeben:
  der  Gasteiner  Dertrag  war  zerrissen.  Hreußen  stellte  sich  also