Die  Auseinandersetzung  mit  sterreich.  391

zu  einem  Staate  zweiten  Ranges  zu  degradieren.  Selbst  die  glorreiche
Erfahrung  des  Jahres  1864  hat  Esterreich  nicht  vermocht,  diese  Richtung
  aufzugeben,  obgleich  es  sah,  daß  Hreußen  und  sterreich,  einig,
ganz  Europa  Schach  bieten  können.  Welche  Mittel  Esterreich  aufgeboten
hat,  um  Hreußen  in  der  öffentlichen  Mleinung  nicht  nur  in  den  Rerzogtümern,
  sondern  in  ganz  Europa  zu  degradieren,  liegt  jedermann  vor
Augen;  Lug,  Trug,  Herleumdung  in  allen  von  ihm  erkauften  Seitungen
Europas  waren  ihm  gesuchte  Mittel,  die  öffentliche  Meinung  gegen
Dreußen  aufzustacheln  und  dasselbe  als  von  Ehrgeiz  und  Eroberungssucht
aufgeblasen  zu  schildern,  und  so  vornebmlich  die  deutschen  Staaten  gegen
uns  aufzuhetzen.  Dies  ist  das  Lügengewebe,  welches  nun  zum  TKriege
führt.  Einem  solchen  Derfahren  darf  ein  Staat,  der  sich  achtet,  nicht
ruhig  zusehen.  Alle  Meine  Dorstellungen  in  Wien  gegen  ein  so  perfides
Benebmen  blieben  fruchtlos,  und  seit  dem  Februar  sistierte  auf  diesem
Terrain  jedwede  Derständigung  mit  Wien.  Dennoch  beschloß  Ich  im
Konseil  des  28.  Februar,  zu  keinen  Rüstungen  zu  schreiten,  sondern  alle
Mittel  auf  indirektem  Wege  (Rußland,  England)  zu  verfolgen,  um  einen
Bruch  mit  GEsterreich  zu  vermeiden.  Da  schritt  Gsterreich  am  15.  März
ganz  unerwartet  zu  Truppenkonzentrationen  an  Dreußens  Grenzen,  unter
den  lügenhaftesten  Dorwänden,  die  wir  durch  die  ja  bekannt  gewordenen
Aktenstücke  entlarvten.  Dolle  14  Tage  zögerte  Ich  mit  Gegenmaßregeln,
die  sich  nun  gegenseitig  so  steigerten,  daß  die  Armeen  sich  vollzählig
gegenüberstehen.  Wochmals  ist  die  Rand  zum  Frieden  geboten  in  einer
Konferenz  zu  Haris,  die  Ich  sofort  ergriff,  die  aber  von  Esterreich  schon
so  gut  wie  verworfen  ist.  Am  Bundestage  hat  vor  4  Tagen  Esterreich
den  Gasteiner  Dertrag  einseitig,  ohne  Hreußens  Vorwissen,  zerrissen  und
die  Herzogtümerfrage,  die  zwischen  uns  und  nicht  am  Bundestage  ge—
schlichtet  werden  sollte,  gegen  den  Vertrag  jenem  vorgelegt.  So  folgte
sich  Perfidie,  Lüge,  Vertragsbruch  unaufhaltsam  seitens  Gsterreichs.  Da
haben  Sie  in  kurzem  Abriß  die  Lage,  in  welche  Preußen  geworfen  ist!
Ich  habe  mit  Meinem  Gott  im  Gebet  gerungen,  um  Seinen  Willen  zu
erkennen,  und  nur  so  habe  ich,  Schritt  vor  Schritt  Preußens  Ehre  im
Auge  haltend,  nach  Meinem  Gewissen  gehandelt.  Nach  diesem  Exposé
werden  Sie  sich  überzeugen,  daß  wir  einem  Kampf  um  Preußens  Existenz
entgegengehen,  und  er  wird  nur  dann  ein  Bruderkrieg  werden,  wenn
Deutschland,  durch  Esterreich  aufgestachelt,  sich  unberufen  mit  demselben
gegen  Mich  verbündet.  Daß  Ich  freiwillig  keinen  deutschen  Boden  aufgebe,
  weiß  die  Welt,  und  Ströme  Blutes  müßten  geflossen  sein,  ehe  dies
geschähe.  Beten  Sie  für  Mich  und  für  Hreußen.  Dann  begegnen  sich