398  Siebentes  Kapitel.

Unterdessen  hatte  Italien  am  20.  Juni  an  Osterreich  den  Krieg  erklärt.
  Um  seine  Kräfte  durch  Teilung  nicht  schwächen  zu  müssen,  beschloß
sterreich,  sich  gegen  Italien  lediglich  auf  Verteidigung  zu  beschränken,
mit  der  ganzen  Wucht  seiner  Kraft  aber  Hreußen  zu  zerschmettern.  So
wurde  denn  fast  die  ganze  österreichische  Armee  bei  Brünn  und  Glmütz
zusammengezogen.  Langsam  rückte  sie  von  hier  nach  Böhmen  vor  und
nahm  zwischen  der  Festung  Josephstadt  und  der  preußischen  Grasschaft
Glatz  Aufstellung.  Der  Gedanke  ihres  Oberanführers,  des  Feldzeugmeisters
  von  Benedek,  war,  hier  die  in  Böhmen  einrückenden  preußischen
Armeen  einzeln  zu  schlagen  und  den  zurückgeworfenen  dann  nach  Hreußen
hinein  zu  folgen.  Im  vollen  Gegensatze  zu  ihm  war  dagegen  König
Wilhelm  zu  nachdrücklichem  Angriffe  entschlossen  und  drängte  zu  rascher
Entscheidung.

In  diesem  Gedanken  leitete  daber  als  Chef  des  Generalstabes  der
General  Helmut  von  Moltke  von  Berlin  aus  mit  wohlabwägender
Kühnheit  den  Einmarsch  der  preußischen  Heere  in  Böhmen.  „Getrennt
marschieren,  vereint  schlagen!“  war  sein  Grundsatz,  dessen  glänzende
Durchführung  ihm  jetzt  die  Bewunderung  der  ganzen  Welt  eintragen
  sollte.

Mit  brausendem  Hurra  überschritt  am  25.  Juni  die  Erste  preußische
Armee  unter  dem  Orinzen  Friedrich  Karl  von  der  Lausitz  her  die  österreichische
  Grenze  und  besetzte  die  große  Fabrikstadt  Reichenberg.  Am
25.  stieß  sie  auf  das  Corps  des  Grafen  Clam-Gallas,  das  die  Iser-Linie
decken  sollte.  Erst  nach  hartnäckigem  Widerstande  zog  es  sich  in  das
verschanzte  Dorf  Podol  zurück  und,  als  die  Hreußen  in  der  Kacht  auch
dies  stürmten,  in  eine  feste  Stellung  bei  Münchengrätz.  Gleichzeitig  indessen
  hatte  die  Elbarmee  unter  General  Herwarth  von  Bittenfeld,  dem
Sieger  von  Alsen,  auf  dem  Hasse  von  Schluckenau  das  TLausitzer  Gebirge
überstiegen  und  die  österreichischen  Truppen,  welche  die  Haßausgänge
besetzt  hielten,  bei  Hühnerwasser  zurückgeworfen.  Sie  reichte  damit  der
Ersten  Armee  die  Hand,  so  daß  sich  TClam-Gallas  von  zwei  Seiten  bedroht
  sah.  Nach  kurzer  Gegenwehr  gab  dieser  daher  die  Iser-Cinie  auf,
indem  er  sich  auf  Gitschin  zurückzog.

Hier  zum  zweitenmal  trafen  die  Hreußen  auf  deutsche  Truppen  in
den  Reihen  des  Gegners.  Die  Könige  von  Sachsen  und  Hannover,  wie
der  Kurfürst  von  Hessen  hatten  nach  Ablehnung  der  preußischen  Sommation
  ihre  Truppen  ins  Feld  rücken  lassen.  Die  Kurhessischen  marschierten
  auf  Krankfurt,  wo  sich  das  8.  Bundes-Armeecorps  unter  dem
Drinzen  Alexander  von  Hessen  sammelte,  während  der  Kurfürst  in  Kassel