400  Siebentes  Kapitel.

aus  der  Stadt  hinaus,  mußten  aber  am  Nachmittage  sie  wieder  aufgeben.
Indessen  am  folgenden  Tage  wetzte  das  Gardecorps  die  Scharte  glän—
zend  wieder  aus,  zersprengte  das  ganze  Gablenzsche  Corps,  eroberte
Trautenau  von  neuem  und  erstürmte  sogar  Königinhof,  wo  sich  nunmehr
  das  ganze  siegreiche  Corps  konzentrierte,  so  daß  jetzt  auch  das
L.  Armeecorps  sich  wieder  in  Dormarsch  setzen  konnte.

Auf  das  Corps  von  Ramming  traf  das  5.  Armeecorps,  das  der
greise  General  von  Steinmetz  anführte.  Aus  dem  langen  Engpasse  vorbrechend,
  warf  es  die  Esterreicher  zurück,  schlug  sie  bei  Nachod  aufs
Raupt  und  trieb  sie  bis  nach  Skalitz  zurück.  Allein  hier  zog  Benedek
das  Corps  von  Ramming  ganz  in  die  Reserve  und  ließ  statt  dessen
das  Corps  des  Erzherzogs  Leopold  in  die  Gefechtslinie  einrücken.
So  hatten  die  HDreußen  am  nächsten  Morgen  völlig  frische  Truppen  sich
gegenüber,  die  denn  auch  nicht  säumten,  die,  wie  sie  meinten,  ermatteten
Sieger  anzugreifen.  Allein  bald  waren  die  GEsterreicher  bis  binter  die
hohen  Eisenbalnndämme  von  Skalitz  zurückgetrieben.  Mit  gefälltem
Bajonett  stürmten  die  Dreußen  die  Dämme  und  trieben  die  Feinde  westwärts
  von  dannen.  Die  Sieger  setzten  sich  nunmehr  auf  Gradlitz  in
Marsch,  um  den  Anschluß  an  das  Gardecorps  zu  gewinnen:  als  ihnen
das  österreichische  Torps  des  Grafen  Fastetics  —  wiederum  frische  Truppen
—  den  Weg  zu  verlegen  suchte.  Allein  Steinmetz  ließ  das  Dorf  Schweinschädel
  erstürmen,  vertrieb  die  Feinde  aus  dem  Dorfe  und  dem  benachbarten
  Walde  und  nahm  dann  am  Abend  seinen  Marsch  wieder  auf,
auf  dem  das  fast  noch  unberührte  6.  Armeecorps  ihm  folgte.  Bis  über
Königinhof  hinaus  war  die  Elblinie  im  Besitze  der  Dreußen.

Die  Stellung  der  preußischen  Armeen  zu  einander  war  jetzt  eine
solche,  daß  ihr  Susammenwirken  die  Entscheidung  bringen  mußte.  Denn
nicht  mehr  als  50  Kilometer  trennten  die  Sweite  Armee  von  Gitschin.
Der  Seitpunkt  war  jetzt  da,  wo  die  gesamten  Streitkräfte  Dreußens  zu
übereinstimmendem  Handeln  unter  gemeinsamen  Gberbefehl  gestellt  werden
mußten.  Es  war  somit  notwendig,  daß  der  König  sich  jetzt  selbst  auf
den  Kriegsschauplatz  begab.

In  tiefernster  Empfindung  hatte  das  preußische  Dolk  den  allgemeinen
Buß=  und  Bettag,  den  der  König  angeordnet  hatte,  begangen.  Aber
wie  stärkten  schon  die  ersten  Nachrichten,  die  vom  Kriegsschauplatze  eintrafen,
  die  Meldungen  von  Hodol,  von  Turnau,  von  Nachod,  die  Gemüter!
  „Das  nasse  Stroh  fängt  an  zu  brennen“,  sagte  ein  General,  als
er  die  ersten  Kurrarufe  vor  dem  Halais  des  Königs  hörte.  Bald  stieg
die  Begeisterung,  aller  Kleinmut  war  verschwunden  und  durch  die  ganze