Die  Auseinandersetzung  mit  Osterreich.  401

Stadt  hin  zogen  jubelnde  Scharen.  Allein  König  Wilhelm  blieb  ernst:  er
vertraute  nicht  leichthin  auf  den  Sieg.  Da  wurden  fast  gleichzeitig  drei
Siegesdepeschen  ihm  gebracht,  die  ihm  die  Siege  von  Skalitz,  von  Münchengrätz
  und  die  Kapitulation  von  Langensalza  meldeten.  Da  kam  auch  ihm
freudige  Suversicht.  Auf  dem  Tische  des  Fahnenzimmers,  vor  dem
Arbeitszimmer  des  Königs,  lagen  Karten  ausgebreitet.  Der  König  stand
davor,  und  verfolgte  nach  den  Meldungen  das  Dorrücken  der  Armeen.
Die  Fenster  standen  an  dem  schönen  Sommermorgen  (29.  Juni)  weit
offen.  So  sab  der  König  an  dem  Denkmal  Friedrichs  des  Großen  eine
Dame  stehen,  die  Gattin  seines  Vorlesers,  die  gekommen  war,  ihren  König
vor  seiner  Abreise  ins  Feld  wenigstens  aus  der  Ferne  zu  sehen.  Freundlich
  winkte  sie  der  König  heran  und  rief,  sich  aus  dem  Fenster  lehnend,
ihr  zu:  „Mein  Sohn  hat  einen  Sieg  erfochten.  Siegesnachrichten  von
allen  Seiten!  Es  geht  gut.  Ich  werde  alles  gleich  bekannt  machen
lassen.  Sie  können  das  allen  sagen.  Meine  brave  Armee!“  Dann  aber
gedachte  er  voll  Dank  des  Siegers.  Er  verlieb  dem  Kronprinzen  in
väterlichem  Stolze  den  Orden  pour  le  mérite  und  sandte  die  Ordre  in
das  -  RKauptquartier  der  Sweiten  Armec.  Allein  bei  dem  steten  Vorrücken
der  Armee  gebrauchte  sie  lange  Seit,  ihr  Siel  zu  erreichen.  „Mein
Sohn",  meinte  der  König,  „ist  glücklicher,  als  ich  in  meinen  jungen
Jahren  gewesen  bin.  Mir  war  ein  solches  Kommando  und  solche  Siege
nicht  beschieden!“  Und  nach  einer  Hause  fügte  er  binzu:  „Das  geht  ja
im  Anfange  alles  zu  gut;  wenn  es  nur  so  weiter  geht.  Wir  sind  noch
lange  nicht  über  den  Berg!“  Dann  setzte  er  sich  an  den  Schreibtisch
und  schrieb  den  Armeebefehl  nieder,  mit  dem  er  auf  dem  Kriegsschauplatze
  den  Gberbefehl  zu  übernehmen  gedachte.

Nun  galt  es  Abschied  zu  nehmen.  Es  war  der  Geburtstag  des
Drinzen  Karl,  seines  Bruders.  So  fuhr  der  König  denn  hinaus  nach
Glinicke  bei  Dotsdam,  um  dem  Bruder  seine  Glückwünsche  auszusprechen
und  an  der  Siegesfreude  ihn  teilnehmen  zu  lassen.  Von  da  machte  er
in  Sanssouci,  einen  Abschiedsbesuch  bei  der  Königin-Witwe  SElisabeth,  der
er  stets  mit  ritterlicher  Aufmerksamkeit  begegnete,  dann  auch  im  Neuen
Dalais  bei  der  Kronprinzessin,  seiner  Schwiegertochter,  die,  noch  in  tiefem
Schmerze  um  den  Tod  des  kleinen  Hrinzen  Sigmund,  mit  schwerem
Herzen  den  Semahl  hatte  in  den  Krieg  ziehen  sehen.  Welche  Erquickung
waren  ihr  die  freudigen  Nachrichten,  die  der  König  brachte!  Don  der
Wildparkstation  fuhr  er  dann  nach  Berlin  zurück.

Rasch  hatte  sich  unterdessen  in  der  RZauptstadt  die  Siegeskunde  verbreitet.
  Don  den.  Zausgiebeln  wehten  die  schwarzweißen  Fahnen,  zuerst
Naiser  wilhelm.  26