404  Siebentes  Kapitel.

diejenigen  Offiziere  und  Mannschaften,  die  sich  etwa  in  den  vorhergehenden
  Gefechten  ausgezeichnet  hatten,  sich  vorstellen  ließ.

Schon  auf  dem  Bahnhofe  in  Berlin  sah  der  König  die  Anzeichen
des  Krieges.  Endlos  lange,  schwer  beladene  Wagenzüge  mit  Hroviant,
Fourage  und  Kriegsbedürfnissen  aller  Art  hielten  da,  um  den  Truppen  im
Felde  nachgesandt  zu  werden.  Und  je  weiter  die  Fahrt  über  Görlitz  und
Sittau  nach  Reichenberg  in  Böhmen  ging,  um  so  mehr  führte  sie  in  den
vollen  Kriegszustand  hinein.  Die  unabsehbaren  Transporte  von  Kriegsmaterialien,
  die  Feldbäckereikolonnen,  die  Krankenträgerkompanien,  die
Lazarette,  die  Stroh=  und  Heudepots,  endlich  mehrere  Süge  mit  österreichischen
  Gefangenen  zeichneten  deutlich  den  Krieg.  Städtische  Deputationen,
  Abordnungen  und  Korporationen  warteten  auf  allen  Bahnhöfen,
den  König  zu  begrüßen.  In  Sorau  stand  er  an  dem  Wagenfenster,  als
ein  bescheiden  bürgerlich  gekleideter  Mann  an  den  Wagen  herantrat  und
dem  Rönige  ein  zusammengefaltetes  Blatt  reichte;  worauf  er  sich  sofort
wieder  in  die  Dolksmenge  zurückzog.  Der  König  entfaltete  es  und  las
eine  poetische  Antwort  auf  seinen  „Aufruf  an  Mein  Dolk“:

„Ich  ziehe  hin  in  Gottes  Namen,
Ich  ziehe  hin  in  Gottes  Krat;  *
Die  in  der  Menschen  amen  kamen,
Hat  oft  der  Sorn  schnell  hingerafft!.
Wer  Gott,  dem  Allerhöchsten,  traut,
Der  hat  auf  keinen  Sand  gebaut.“

Ja,  das  war  es,  was  den  Rönig  mit  stiller  Suversicht  erfüllte:  nachdenklich
  faltete  er  das  Blatt  wieder  zusammen  und  steckte  es  in  den.  Armelaufschlag
  seines  Üüberrockes.  Da  hat  es  ihn  wie  ein  Talisman  durch  den
ganzen  Feldzug  begleitet.

Auf  allen  preußischen  Zahnhöfen  empfing  Jubel  und  freudiger  Suruf
  den  König.  Nun  ging  es  über  die  sächsische  Grenze:  da  wurde  es
mit  einem  Male  still;  die  Bevölkerung  hielt  sich  zurück.  In  Feindes  Land
waren  die  Bahnhöfe  militärisch  von  preußischen  Truppen  besetzt.  Und
vollends  in  Böhmen  mußte  langsam  und  vorsichtig  gefahren,  werden.
Bei  jedem  Halt  sprang  die  Stabswache  aus  den  Wagen,  pflanzte  das
Bajonett  auf  und  besetzte  sofort  den  ganzen  Umkreis  der  Bahnböfe.

Um  4  Uhr  nachmittags  fuhr  der  königliche  Sug  in  Reichenberg  ein.
Mitten  hinein  in  die  Kriegswirren  war  der  König  versetzt.  In  dden
Wartesälen  und  Schuppen  des  Bahnhofes  waren  elfhundert  österreichische
Gefangenc  eingesperrt,  und  auf  dem  Bahnsteig  erwartete  eine  Doputation
der  Bürgerschaft  die  Ankunft  des  Königs,  um  ihn  um  Gnade  für  die