406  Siebentes  Kapitel.

Schlosse  des  Prinzen  Rohan,  ab.  Hier  war  das  Quartier  des  Königs.
Eine  anmutige  Landschaft  breitete  vor  seinen  Fenstern  sich  aus.  In  dem
herrlichen  Schloßpark  biwakierte  die  Stabswache.  Den  ganzen  Kachmittag
  trafen  Mieldungen  ein,  die  über  die  Stellungen  der  Hreußen  genaue
  Nachrichten  brachten.  Ordonnanzen  kamen  und  gingen.  Man  ward
sich  dessen  schon  bewußt,  daß  seit  gestern  der  König  mit  fester  Rand  das
Ganze  leitete.

Nach  Gitschin,  wieder  50  Kilometer  näher  an  den  Feind  heran,
wurde  am  2.  Juli  das  Große  Rauptquartier  verlegt.  Der  Weg  dorthin
führte  den  König  fast  fortwährend  über  Schlachtfelder.  Der  fast  zerstörte
Bahnhof  von  Turnau,  die  nur  notdürftig  wieder  hergestellte  JIserbrücke,
die  Derhaue  aus  gefällten  Thausseebäumen,  das  in  Kolonnenbreite  niedergetretene
  Getreide,  die  herumliegenden  toten  Pferde  wiesen  auf  die  Heftigkeit
  der  Kämpfe  der  letzten  Tage  hin.  In  dem  Dorfe  Libuhn  waren
Feldlazarette  eingerichtet.  Durch  die  Fähnchen  mit  dem  roten  Kreuz  aufmerksam
  gemacht,  ließ  der  König  halten  und  besichtigte  die  Einrichtungen
in  der  Kirche,  der  Pfarrei  und  mebreren  Zäusern.  So  manchen  der
Derwundeten  kannte  der  König.  Graf  Voß,  ein  österreichischer  Offizier,
entstammte  einer  ihm  wohlbekannten  mecklenburgischen  Familie;  auch  der
sächsische  Oberst  von  Bocksberg  war  ihm  wiederbolt  begegnet.  Gern
erlaubte  der  König  allen  fremden  Offizieren,  sich  zur  Dflege  hinzubegeben,
wohin  sie  wollten,  wenn  sie  nur  ihr  Ehrenwort  gaben,  solange  der  Krieg
dauere,  nicht  mehr  gegen  Hreußen  zu  kämpfen.

Eine  halbe  Stunde  vor  Gitschin  kam  in  einem  leichten  Jagdwagen
Drinz  Friedrich  Karl,  wie  immer  in  der  roten  Uniform  der  Sieten-Rusaren,
dem  Könige  entgegengefahren.  Er  stieg  in  dessen  Wagen  und  erläuterte
ihm  nun  an  Ort  und  Stelle  den  Gang  der  Gitschiner  Kämpfe,  wozu
die  Wagen  voll  Tornister,  Gewehre,  Hatrontaschen,  die  auf  dem  Schlachtfelde
  jetzt  aufgelesen  wurden,  die  beste  Illustration  abgaben.  Gegen
1  Uhr  langte  der  König  in  Gitschin  an.  Sein  uartier  war  das  bescheidene
  Gasthaus  zum  Goldenen  Löwen  am  Ringe;  Bunderte  von  Einwohnern
  standen  auf  dem  Ring,  um  den  OHreußenkönig  zu  sehen.  Dor
dem  Cuartier  des  Königs  war  neben  der  Stabswache  eine  Ehrenwache
des  Grenadierregiments  König  Friedrich  Wilhelm  IV.  (I.  Dommersches)
r.  2  aufgestellt.  Es  waren  die  ersten  Truppen,  die  im  Feuer  gewesen
waren,  welche  der  König  sah.  „Guten  Morgen,  Euer  Majestät!“  erwiderten
  sie  herzhaft  seinen  Gruß.  Sie  waren  im  Feldanzuge,  Stiefeln
und  Bosen  bespritzt;  denn  das  Wetter  war  regnerisch  geworden.  Aber
der  Hulverdampf  hatte  die  Gesichter  bronziert,  und  abgeschossene  Helm-