Die  Auseinandersetzung  mit  österreich.  407

spitzen  und  zerhauene  Beschläge  zeigten,  was  die  Wackeren  durchgemacht
hatten.  Ganz  nach  Laune  hatte  jeder,  was  zu  seiner  Ausrüstung  gehörte,
  sich  umgehängt.  Mit  warmem  Interesse  musterte  der  König  die
Reihe,  während  er  an  ihr  hinabschritt,  den  Offizieren  mehrfach  die  Hand
reichend.

Uoch  auf  dem  Ringe  sammelten  mehrere  hobe  Offiziere  sich  um
den  König,  der  mit  ihnen  die  militärische  Situation  besprach.  Dann  erst
begab  er  sich  in  sein  Quartier,  von  dem  Orinzen  Albrecht,  seinem  jüngsten
Bruder,  der  auch  zur  Begrüßung  herbeigekommen  war,  und  dem  Orinzen
Friedrich  Karl  begleitet.  Sofort  ließ  eine  Deputation  der  Stadt  um  eine
Audienz  nachsuchen,  um  sich  gegen  die  Derleumdung  zu  rechtfertigen,  daß
bei  der  nächtlichen  Erstürmung  der  Stadt  die  Bürger  sich  durch  Schießen
aus  den  Fenstern  am  Kampfe  beteiligt  hätten.  Ohne  Umstände  ließ  der
König  sie  eintreten  und  hörte  eine  eile  ihre  Reden  geduldig  mit  an;
dann  aber  sagte  er  ihnen  mit  Toachdruck:  „Weine  Truppen  sind  keine
wilden  Horden  und  verlangen  nur  das  zum  Leben  unbedingt  Notwendige,
und  Ihre  Sorge  ist  es,  ihnen  keine  Deranlassung  zu  gerechten  Klagen
zu  geben.  Sagen  Sie  es  den  Einwohnern,  daß  ich  nicht  gekommen  bin,
einen  Krieg  gegen  friedliche  Bürger  zu  führen,  sondern  die  Ehre  Hreußens
  gegen  Derunglimpfung  zu  verteidigen!“  Und  damit  entließ  er  sie.

Fortdauernd  liefen  beim  Rönige  die  militärischen  Weldungen  ein.
Durch  einen  Generalstabsoffizier  von  der  Ersten  Armee  ließ  er  sich  eingehend
  Dortrag  über  die  Stellung  der  Ersten  Armee,  die  schon  bis  Horiz
vorgedrungen  war,  über  die  Beschaffenheit  des  Geländes  und  über  die
bisherige  Fechtart  des  Feindes  halten.  Dann  befahl  er,  daß  die  Truppen,
die  unter  fortwährenden  Kämpfen  vorgerückt  waren,  um  nicht  übermüdet
zu  werden,  am  nächsten  Tage,  soweit  es  die  Derhältnisse  zuließen,  Ruhetag
  haben,  auch  das  Große  Rauptquartier  in  Gitschin  bleiben  solle.  Er
selbst  aber  wollte  am  Dormittage  zu  einer  Begegnung  mit  dem  Kronprinzen
  nach  Miletin  fahren.

Diesen  Befehl  nahm  Hrinz  Friedrich  Karl,  der  um  5  Uhr  Gitschin
verließ,  nach  Horiz  mit.  Sobald  er  in  Gitschin  den  Truppen  bekannt
gegeben  wurde,  breitete  sich  bald  große  Stille  über  die  Stadt  aus.  Man
wußte,  daß  also  nichts  bevorstand,  daß  man  unbesorgt  ausruhen  könne.
Der  Regen  überdies  steigerte  sich  gegen  den  Abend  und  verödete  die
Straßen  noch  mehr.

Zetzt  eigentlich  erst  in  Eitschin  hatte  der  König  den  aktiven  Oberbefehl
  über  die  ganze  preußische  TArmee  übernommen.  Zetzt  ließ  er,  um
dies  zum  Auedruck  zu  bringen,  den  Armcebefehl,  den  er  von  Berlin