408  Siebentes  Kapitel.

mitgebracht  und  während  der  Nacht  in  Zeichenberg  in  der  Druckerei
der  Gebrüder  Stiepel  hatte  drucken  lassen,  an  die  Regimenter  austeilen.
Es  war  ein  warmer  und  trotz  aller  Erfolge  doch  von  jedem  Siegeshochmut
  freier  Gruß  an  die  Armee.

„Soldaten  Meiner  #Armeel

Ich  begebe  Mich  heute  zu  Euch,  Weinen  im  Felde  stehenden,  braven
Truppen,  und  biete  Euch  Meinen  Königlichen  Gruß.  In  wenigen  Tagen
sind  durch  Eure  Tapferkeit  und  Bingebung  Resultate  erfochten  worden,
welche  sich  würdig  anreihen  an  die  Großtbaten  unserer  Däter.  Mit
Stolz  blicke  Zch  auf  sämtliche  Abteilungen  Aleines  treuen  Beeres  und
sehe  den  nächsten  Kriegsereignissen  mit  freudiger  Suversicht  entgegen.
Soldaten!  Sahlreiche  Feinde  stehen  gegen  uns  im  Kampfe.  Laßt  uns
indes  auf  Gott  den  Berrn,  den  Lenker  aller  Schlachten,  und  auf  unsere
gerechte  Sache  bauen;  Er  wird  durch  Euere  Tapferkeit  und  Ausdauer
die  sieggewohnten  preußischen  Fahnen  zu  neuen  Siegen  führen.

1866,  20.  Juni.  Wilhelm.“

Den  Abend  brachte  der  König  in  seinem  Simmer  allein  zu.  Arbeitend
  saß  er  an  seinem  Schreibtische,  die  Vortragsmappen  neben  sich,
als  um  halb  11  Uhr  in  höchster  Eile  ein  Wagen  rasselnd  bei  dem  Gasthause
  vorfuhr  und  der  General  von  Doigts-Rhetz,  der  Generalstabschef
der  Ersten  Armee,  vom  Hrinzen  Friedrich  Karl  gesandt,  dem  Könige  die
Meldung  brachte,  daß  die  österreichische  Rauptarmee  oder  mindestens  ein
sehr  großer  Teil  derselben  nicht  hinter  der  Slbe,  wie  man  im  preußischen
Rauptquartier  angenommen  hatte,  sondern  vor  derselben  an  der  Zistritz,
also  dicht  vor  der  Ersten  Armee  der  Hreußen  sich  zusammengezogen  habe,
demnach  eine  Schlacht  zu  erwarten  sei;  infolgedessen  habe  auch  der  Hrinz
eine  Konzentration  seiner  Armee  nach  vorwärts  befohlen.  Ungläubig
schüttelte  der  König  den  Kopf:  er  konnte  sich  nicht  denken,  daß  ein  bewährter
  General  wie  Benedek  so  die  einfachsten  Dorsichtsmaßregeln  sollte
außer  acht  gelassen  haben;  denn  die  Elbe  im  Rücken  mußte  ihn  bei  einem
doch  immer  möglichen  Rückzuge  in  die  gefährlichste  Zedrängnis  bringen.
Gleichwohl  sandte  er  den  General  zu  Moltke,  dem  Chef  des  Großen
Generalstabes,  der  über  die  Straße  dem  HKönige  gegenüber  wohnte.
IDenn  Moltke,  so  lautete  die  Weisung,  es  nach  der  Zlleldung  für  nötig
halte,  so  möge  er  noch  in  der  Nacht  zu  jeder  Seit  zum  Könige  kommen.
Bis  Mlitternacht  wartete  der  König;  da  aber  Moltke  nicht  erschien,  so
legte  er  sich  in  sein  Feldbett,  das  auf  dem  Fußboden  des  Simmers  aus-