Die  Auseinandersetzung  mit  österreich.  409

gebreitet  war.  Moltke  aber  prüfte  die  Meldung  ganz  genau;  dann  begab
er  sich  zum  Könige,  den  er  schon  im  Bette  fand.  Mit  kurzen  Worten
zeichnete  er  ihm  die  Gunst  der  augenblicklichen  Lage.  Sofort  war  der
König  entschlossen,  sie  auszunutzen  und  am  Morgen  den  Feind  von  allen
Seiten  anzugreifen.  Die  Alaßregeln  des  Hrinzen  Friedrich  Karl  entsprachen
  bereits  diesem  Gedanken;  es  kam  nur  noch  darauf  an,  die  Mit—
wirkung  der  Armee  des  Kronprinzen  sicherzustellen,  der  jetzt  gerade  in
der  Flanke  des  Gegners  stand,  aber,  um  ihn  zu  erreichen,  einen  Marsch
von  15—20  Kilometern  zurückzulegen  hatte.  Demgemäß  nahm  der  König
den  Ruhetagsbefehl  zurück  und  bestimmte  statt  dessen,  daß  die  Erste
Armee  schon  um  7  Uhr  morgens  in  den  ihr  angewiesenen  Stellungen
zum  Angriffe  bereitstehen  sollte;  denn  ihr  fiel  die  Aufgabe  zu,  den  Feind
festzullalten,  daß  er  nicht  hinter  die  Slbe  entweiche.  Die  Elbarmee  sollte
durch  einen  Angriff  auf  Nechanitz  den  linken  Flügel  der  GEsterreicher
lahm  legen,  der  Kronprinz  aber  mit  der  Sweiten  Armee  durch  einen
mächtigen  Dorstoß  gegen  den  rechten  Flügel  die  Entscheidung  herbeiführen.

In  dem  Quartier  Moltkes,  wo  die  Generale  von  Dodbielski  und
Graf  Wartensleben  schon  warteten,  wurden  nun,  entsprechend  der  Disposition
  des  Königs,  sogleich  die  nötigen  Befehle  aufgesetzt  und  ohne
Verzug  in  doppelter  Ausfertigung  auf  zwei  verschiedenen  Wegen  nach
Königinhof  an  den  Kronprinzen  abgesandt,  während  Hrinz  Friedrich  Karl
durch  den  zurückkehrenden  General  Doigts-Rhetz  von  der  Entscheidung
des  Königs  in  Kenntnis  gesetzt  wurde.

Unruhig  brachte  König  Wilhelm  die  wenigen  Wachtstunden,  die  bis
zum  Beginne  der  Aktion  noch  blieben,  zu.  Denn  eine  Schlacht  ist  unter
allen  Umständen  eine  sehr  ernste  Sache.  Swar  die  Entscheidung,  wenn
anders  die  Meldungen  richtig  waren,  konnte  hier  kaum  zweifelhaft  sein;
denn  selbst  wenn  die  Erste  Armee  auf  einen  übermächtigen  Gegner  traf
und  geschlagen  wurde,  so  mußte  das  Eingreifen  des  Kronprinzen  den
Sieg  zurückbringen.  Bedenken  hegte  der  König  nur  für  die  Elbarmee;
ihr  konnte,  wenn  sie  geschlagen  wurde,  wegen  der  weiten  Entfernung
keine  Hilfe  gebracht  werden;  und  doch  mußte  sie,  um  die  volle  Wirkung
zu  erzielen,  so  weit  ab  delachiert  werden.  Im  Grunde,  darf  man  sagen,
war  die  Schlacht  bei  Königgrätz  entschieden,  bevor  sie  begonnen  wurde:
die  taktischen  Vorteile,  welche  die  doppelte  Flankenstellung,  dank  des
wirkungsvoll  durchgeführten  Aufmarsches  der  drei  Armeen  gab,  sicherten
von  vornberein  den  Erfolg.

Es  war  ein  kalter,  regnerischer  Morgen,  die  Sonne  ganz  binter
grauen  Regenwolken  verborgen,  als  der  König  um  5  Uhr  früh  aus