410  Siebentes  Kapitel.

seinem  Quartier  trat.  Er  war  in  Helm  und  Überrock,  einen  Füsiliersäbel
  umgeschnallt;  wie  gewöhnlich  trug  er  das  Eiserne  Kreuz  und  den
Orden  pour  le  mérite;  um  die  Schultern  hatte  er  einen  Mantel  geworfen.
  Meben  ihm  im  Wagen  nahm  der  Flügeladjutant  vom  Dienst
Graf  Lehndorff  Platz.  Zu  ihm  äußerte  der  König,  er  könne  immer  noch
nicht  glauben,  daß  Benedek  eine  im  Falle  der  Niederlage  strategisch  so
ungünstige  Position  zu  einer  Schlacht  gewählt  habe,  und  fürchte,  daß  das
nun  befohlene  Zusammenstoßen  aller  drei  Armeen  ein  Schlag  ins  Wasser
sein  werde.  In  schärfster  Gangart  ging  es  vorwärts  über  Horiz  nach
Klenitz.  Allenthalben  begegnete  der  König  den  vorwärts  strebenden
Bataillonen,  die,  sobald  sie  an  der  vorausreitenden  Stabswache  ihn  er—
kannt,  mit  freudigem  Hurra  ihren  Kriegsherrn  begrüßten.

In  2½  Stunde  waren  die  40  Kilometer  bis  Klenitz  zurückgelegt.
Im  Kruge  des  Dorfes  vertauschte  der  König  den  Mantel  mit  dem
Haletot,  da  das  Wetter  nicht  nach  Besserung  aussah,  ließ  sich  Überschnall—
sporen  anlegen,  hängte  seinen  Krimstecher  um  und  bestieg  sein  Leibpferd,
die  etwas  phlegmatische  braune  Stute  Fenella,  die  aber  nach  dem  Siege
fortan  den  amen  Sadowa  trug.

Sben  erst  hatte  die  Schlacht  begonnen:  zehn  Minuten  nach  7  war
bei  Lipa  der  erste  Kanonenschuß  gefallen.  Der  Morgenwind  vertrieb
den  Mebel  etwas,  und  man  vermochte  nun  am  jenseitigen  Ufer  der
Bistritz  die  Stellung  der  Gsterreicher  zu  erkennen.  Sie  bildete  von  dem
Dorfe  Drim  bis  zu  dem  Dorfe  Horenowes  eine  10  Kilometer  lange,
hakenförmig  eingebogene  Linie.  Das  Sentrum  befand  sich  vor  Chlum,
dessen  Kirchturm  sich  deutlich  am  Horizonte  abzeichnete.  Kein  GSweifel,
daß  es  die  ganze  Armce  des  Feindes  war,  die  man  vor  sich  hatte.

Der  König  ritt  von  Klenitz  neben  der  nach  Sadowa  führenden
Thaussee  eine  Anhöhe  dicht  bei  dem  Dorfe  Dub  hinauf,  um  einen  Überblick
  über  die  Schlacht  zu  gewinnen.  Denn  jetzt  donnerten  die  Kanonen
an  der  ganzen  Bistritz-Linie  entlang,  so  daß  der  Hulverdampf  die  Niede—
rungen,  alles  verhüllend,  erfüllte.  Don  diesem  Rügel  aus  leitete  Generalleutnant
  von  Horn  den  Dormarsch  seiner,  der  achten  Division.  Sobald
er  den  König  bemerkte,  sprengte  er  an  ihn  heran  und  rief  mit  lauter
Stimme:  „Ich  beschwöre  Ew.  Mlajestät,  diesen  Hlatz  zu  verlassen;  denn
der  Feind  enfiliert  die  TChaussee  auf  das  heftigste.“  Der  König  gab  ihm
eine  freundlich  ablehnende  Antwort  und  blieb  ruhig  auf  der  Stelle
halten,  während  sich  die  zahlreiche  Suile  um  ihn  sammelte.  Da  kam
auch  schon  eine  Granate  geflogen,  fiel  neben  der  TChaussee  nieder  und
überschüttete  krepierend  mit  den  Blättern  und  Sweigen  des  TLirsch-