Die  Auseinandersetzung  mit  Gsterreich.  411

baumes,  neben  dem  der  König  hielt,  ihn  und  das  Gefolge.  Der  König,
die  Augen  auf  das  Schlachtfeld  gerichtet,  beachtete  es  nicht.  Eine  zweite
Granate  sauste  indes  schon  heran:  direkt  über  den  König  und  den  hinter
ihm  haltenden  Hofmarschall  Graf  Perponcher  flog  sie  hinweg  und  schlug
hinter  der  Suite,  in  tausend  Stücke  zerplatzend,  ein.  Der  König  folgte
ihr  mit  den  Augen.  „Das  habe  ich  Ihnen  zu  danken!“  rief  er  der
Suite  zu,  deren  glänzende  Uniformen  ohne  Zweifel  die  Aufmerksamkeit
der  österreichischen  Kanoniere  erregt  hatten.  Sofort  sprengte  Graf  Lehndorff
  vor  und  rief  laut  hinüber:  „Suite  sich  zerstreuen!“  Worauf  denn
die  Berren  des  Gefolges  sich  in  eine  rückwärts  gelegene  Dertiefung  des
Geländes  zurückzogen.  Der  König  indes  blieb  ruhig  auf  der  Höhe  halten,
obgleich  die  Gsterreicher  noch  mehrere  Schüsse  in  der  gleichen  Richtung
abgaben;  dann  ritt  er  in  scharfem  Trabe  zu  dem  näher  an  Sadowa
liegenden  Rozkosberge  hinüber,  der,  250  Meter  hoch,  einen  freieren  Blick
über  das  ganze  BZistritzThal  gewährte.  Von  hier  aus  leitete  er  die
Schlacht,  die  sich  jetzt  jenseit  des  Dorfes  Sadowa  so  heftig  entwickelte,
daß  sich  der  Kanonendonner  wie  ein  ununterbrochenes  Rollen  anhörte
und  Einzelschüsse  gar  nicht  mehr  zu  unterscheiden  waren.  Das  Siel  war,
die  Bistritz-Cinie  und  die  an  dem  Bach  liegenden  Dörfer  und  Waldungen
in  Besitz  zu  nehmen,  um  einen  Abschnitt  gegen  etwaiges  Vorgehen  des
Gegners  zu  gewinnen  und  um  später  selbst  die  Ubergänge  benutzen  zu
können.  Darüber  verliefen  natürlich  Stunden,  ohne  daß  die  Gefsechtslinie
  in  östlicher  Richtung  merklich  vorrückte.  Denn  die  sehr  wirksame
österreichische  Artillerie  und  immer  neu  herandringende  feindliche  Infanteriemassen
  machten  es  den  Hreußen  schwer,  die  im  ersten  Anlauf  besetzten
  Wälder  und  Terrainabschnitte  zu  behaupten.

Die  meiste  Seit  hielt  Drinz  Friedrich  Karl  neben  dem  Könige  auf
der  Höhe  des  Rozkosberges,  um  dessen  Befehle  entgegenzunehmen.  Auch
andere  Fürsten,  unter  ihnen  Graf  Bismarck,  fanden  sich  dazu,  so  daß  das
Gefolge  bald  wieder  eine  auffällige  Gruppe  bildete  und  eine  feindliche
Batterie  alsbald  etliche  Granaten  herüberschickte.  Bismarck  bat  den
König,  sich  nicht  so  rücksichtslos  dem  feindlichen  Feuer  auszusetzen.  Allein
dieser  meinte,  er  zweifele,  ob  das,  was  da  herumflöge,  wirklich  Kugeln
wären.  „Glauben  Ew.  Majestät  denn“,  fragte  Bismarck  zurück,  „daß
es  Schwalben  sindd“  Sum  Glück  vertrieben  die  Hreußen  die  österreichische
  Batterie  sehr  schnell.  Da  ward  dem  Uönige  die  große  Freude,
seinen  Meffen,  den  Großberzog  Friedrich  Franz  II.  von  Mecklenburg—
Schwerin,  zu  begrüßen.  Der  Großherzog  war  erst  am  Abend  vorher  in
Reichenberg  eingetroffen;  allein  auf  die  Meldung,  daß  eine  große  Schlacht