412  Siebentes  Kapitel.

mit  nächstem  zu  erwarten  sei,  hatte  er  sich  schon  um  3  Uhr  nachts
wieder  in  den  Sattel  geworfen  und  die  66  Kilometer  bis  Sadowa  in
sechs  Stunden  zurückgelegt.  Er  kam  zur  rechten  Zeit;  denn  kaum  eine
halbe  Stunde  darauf  meldete  sich  der  Flügeladjutant,  Graf  Finkenstein,
der  in  nächtlichem  Ritte  von  Gitschin  den  Befehl  vorzurücken  dem  Kronprinzen
  nach  Königinbof  überbracht  hatte,  bei  dem  Könige  und  brachte
die  TWachricht,  daß  die  Zweite  Armee  schon  im  Beranrücken  sei.  Indes
früher  als  um  Mittag  konnte  ihr  Eintreffen  nicht  erwartet  werden.
Eine  Gefahr  für  die  Erste  Armee  ergab  sich  aber  daraus  nicht  im  geringsten,
  da  hinter  dem  ZRozkosberge  noch  die  5.  und  6.  Division  mit
zahlreicher  Reserveartillerie  in  Reserve  stand.  In  gefährdeter  Lage  befand
  sich  nur  die  Division  Franseckv,  die  den  Wald  von  Maslowed  auf
dem  äußersten  linken  Flügel  gegen  zwei  österreichische  Armeecorps  zu
halten  hatte.

In  Sorge  war  der  König  nur  um  die  Elbarmee,  da  er  die  bei
Drim  und  Hroblus  aufgestellten  feindlichen  Batterien  immer  aus  derselben
Dosition  feuern  sah:  ein  Seichen,  daß  sie  sich  gegen  die  Angriffe  Berwarths
  von  Bittenfeld  behaupteten.  Er  sandte  daher  den  Grafen  Lehndorff
  dorthin,  um  Wachricht  zu  bringen,  wie  es  stände.  Während  der
König  nun  auf  dessen  Rückkehr  wartete,  sab  er  kurz  vor  Mittag  einen
Trupp  von  etwa  700  Mann,  teils  von  dem  pommerschen,  teils  von  dem
sächsischen  Armeecorps,  sich  bunt  durcheinander  der  Reservestellung  des
brandenburgischen  Armeecorps  nähern.  Da  er  sich  diese  Erscheinung  nicht
zu  erklären  vermochte,  so  ritt  er  dem  Trupp  entgegen  und  fragte  den
Offizier,  der  ihn  führte,  nach  woher  und  wohin.  Der  Gffizier  meldete,
daß  sie  den  Befehl  bekommen  hätten,  sich  bei  der  Reserve  zu  ordnen,  da
dies  im  Gefecht  nicht  möglich  wäre.  Unverzüglich  stieg  der  König  vom
Oferde  und  kommandierte:  „Balt!  Front!“  Die  Soldaten,  den  König
erkennend,  machten  natürlich  gegen  ihn  Front.  „Wobin  ist  in  der  Schlacht
die  Front?“  fragte  der  König  scharf.  Durch  eine  kurze  Wendung  korrigierten
  sich  die  Soldaten.  Nun  ließ  der  König  sie  nach  den  Mummern
ihrer  Regimenter  zusammentreten,  Dordermann  nebmen  und  sich  richten,
so  daß  alsbald  die  Ordnung  wieder  hergestellt  war.  Da  sprengte  auch
schon  ein  Adjutant  herbei,  der  die  zum  2.  Armeecorps  gehörenden  Mannschaften
  ins  Gefecht  zurückrief.  „Bataillon,  WMarsch!“  kommandierte  der
König.  „Mun  zeigt,  daß  ihr  Dommern  seid!“  Und  damit  schwang  er
sich  wieder  in  den  Sattel.

Die  Rartnäckigkeit  der  Osterreicher  machte  es  indessen  notwendig,
auch  die  Reserven  vorzunelmen.  Die  Brigade  Schimmelmann  erbielt  daher