Die  Auseinandersetzung  mit  sterreich.  413

den  Befehl,  mit  dem  Leibregiment  (Tr.  8)  und  dem  Regiment  Nir.  48
vorzugehen.  Mit  fliegenden  Fahnen  und  klingendem  Spiel  marschierten
sie  in  die  Schlacht.  Der  König  ritt  ihnen  entgegen  und  ließ,  in  den
Bataillonsintervallen  Stellung  nehmend,  sie  an  sich  vorüberziehen.  Der
Stabshoboist  Hiefke  ließ,  mit  dem  gezogenen  Degen  den  Takt  markierend,
„Heil  Dir  im  Siegerkranz!“  spielen,  aber  die  Soldaten  durchbrachen,
sowie  sie  den  König  erkannten,  mit  jubelnden  Rurrarufen  allen  Takt.
Das  machte  einen  tiefen  Eindruck  auf  den  König,  diese  Kampfesfreudigkeit,
  mit  der  die  wackeren  Brandenburger  gegen  die  donnernden  Geschütze
  des  Keindes  vorrückten.  Sichtlich  ergriffen  ritt  er  im  Schritt  die
Anhöhe  wieder  hinauf  und  fragte  Moltke,  den  Chef  des  Großen  Generalstabes,
  was  er  von  der  Sachlage  halte.  „Ew.  Majestät“,  war  dessen
ruhige  Antwort,  „werden  heute  nicht  nur  die  Schlacht,  sondern  den  Feldzug
  gewinnen.“  Denn  jenseit  des  Waldes  von  Mlaslowed  zeichnete  sich
eine  Bergkuppe,  auf  der  zwischen  zwei  Bäumen  ein  Steinkreuz  sich  erhob
  —  die  Höhe  von  Horenowes  —  scharf  gegen  den  Horizont  ab.
Dort  sah  Moltke  die  weiße  Wolke  einer  feuernden  Batterie  emporsteigen.
Er  sagte  sich,  daß  dieses  Feuer,  da  die  Anhöhe  von  der  Ersten  Armee
gar  nicht  angegriffen  war,  nur  gegen  Truppen  der  Sweiten  Armee  gerichtet
  sein  konnte:  also  der  Kronprinz  war  heran!  Und  in  weniger  als
zwei  Stunden  zeigte  das  erkennbare  Aufblitzen  der  Geschütze,  daß  die
Höhe  von  der  Sweiten  Armee  besetzt  sei.  Auch  in  der  entgegengesetzten
Richtung  ließ  der  Hulverdampf  ein  VDorschreiten  des  Generals  Herwarth
von  Bittenfeld  gegen  den  linken  Flügel  des  Feindes  erkennen.

Der  König,  von  dem  langen  Sitzen  im  Sattel  etwas  ermüdet,  stieg
von  seinem  Pferde  ab.  Aber  die  preußische  Garde  hatte  noch  vor  5  Uhr
das  Dorf  Chlum  eingenommen,  den  Schlüssel  der  österreichischen  Aufstellung.
  Damit  war  die  Kraft  des  Widerstandes  der  CEsterreicher  gebrochen;
  das  Alrtilleriefener  ermattete,  die  Infanterie  ging  zurück.  Da
saß  der  König  auch  schon  wieder  im  Sattel.  „Das  Ganze  vor!“  kommandierte
  er,  und  in  einem  einzigen  ungeheuren  Angriff  rückte  jetzt  die
ganze  preußische  Schlachtreihe  vor,  von  Höhenzug  zu  Böhenzug  die  Oster—
reicher  zurücktreibend.  In  gestrecktem  Galopp  sprengte  der  König  den
Rozkosberg  herab,  nahm,  kerzengerade  im  Sattel  sitzend,  die  breiten,
steilen  Gräben,  welche  die  Thaussee  einfaßten,  und  traf,  südwärts  reitend,
bei  Langenhof  auf  die  2.  Gardedivision.  Es  waren  die  ersten  Truppen
der  Sweiten  Armee,  die  der  König  antraf.  Es  war  ein  freudigsstürmisches
  wiedersehen.  „Der  Jubel“,  schrieb  der  König  an  die  Königin,
„welcher  hier  ausbrach,  als  diese  Truppen  mich  sahen,  ist  nicht  zu  be-