414  Siebentes  Kapitel.

schreiben;  die  Offiziere  stürzten  sich  auf  meine  Hände,  um  sie  zu  küssen,
was  ich  diesmal  gestatten  mußte.  Und  so  ging  es,  allerdings  im  Ka—
nonenfeuer,  immer  vorwärts  und  von  einer  Truppe  zur  andern,  und
überall  das  nicht  endenwollende  Burrarufen.“

Weiter  ging  es  über  die  flache  Hochfläche  von  Langenhof  südwärts
auf  das  Dorf  Stresetitz  zu.  Hier  war  die  Reservekavallerie  der  Ersten
Armee  eben  im  Avancieren.  Der  König  setzte  sich  selbst  an  ihre  Spitze
und  führte  sie  gegen  den  Feind.  Der  Boden  dröhnte  unter  den  Hufen
der  Rosse.  Mit  furchtbarer  Wucht  traf  sie  auf  die  österreichischen  Kürassiere
  und  Ulanen.  Ein  wildes  Gefecht  entspann  sich,  bis  die  feindlichen
  Reiter  geworfen  wurden.  Ein  Trupp  von  etwa  70  Kürassieren
löste  sich  aus  dem  Gewühl  und  jagte  so  dicht  an  dem  Könige  vorbei,
daß  er  in  Gefahr  war,  übergeritten  oder  mit  fortgerissen  zu  werden.  Im
Galopp  holte  Graf  Finkenstein  die  Stabswache  herbei,  den  HKönig  zu
schützen;  aber  die  Gefahr  war  schon  vorüber.  In  der  Hast  der  Flucht
hatten  die  Reiter  den  König  nicht  erkannt  und  jagten  jetzt  zwischen  dem
ersten  und  zweiten  Treffen  der  preußischen  Infanterie  von  dannen.  Die
brave  österreichische  Artillerie  hielt  jetzt  allein  noch,  um  den  Rückzug  zu
decken,  den  Kampf  aufrecht.  So  war  es  denn  kein  Wunder,  daß  der
König,  mit  seinen  Truppen  avancierend,  in  das  heftigste  Granatfeuer
hineingeriet.  Die  Suite  war  zurückgeblieben:  Bismarck  allein  hielt  bei
seinem  Könige  aus.  Er  ritt  an  ihn  heran  und  sagte  mit  Nachdruck:
„Als  Ew.  Majestät  verantwortlicher  Minister  muß  ich  darauf  bestehen,
daß  Sie  sich  nicht  länger  aussetzen.  Denn  wenn  Ew.  Mojestät  totgeschossen
  werden,  hilft  uns  der  ganze  Sieg  nichts!“  Der  König  gab
das  zu,  fragte  aber  zurück:  „Wissen  Sie  denn,  wo  wir  aus  der  Feuerlinie
  kommen  d“  „Ja“,  meinte  Bismarck,  „wenn  WMajestät  da  den  kleinen
Graben  nebhmen,  kommen  wir  heraus.“  Wirklich  folgte  der  König;  aber
bald  ritt  er  doch  wieder  vorwärts  in  das  Feuer  hinein.  Da  reckte  sich
Bismarck  nur  auf  dem  Öferde  und  sah  den  König  an.  „Jch  komme
ja  schon!"  rief  dieser  ärgerlich  hinüber  und  kehrte  um.  Aber  der  leichte
Trab  genügte  Bismarck  nicht:  er  ritt  dicht  an  den  König  heran,  nahm
den  Fuß  aus  dem  rechten  Bügel  und  versetzte  der  Fenella,  ohne  daß  es
der  König  merkte,  einen  kräftigen  Tritt.  Das  war  der  Stute  denn  doch
noch  nicht  passiert:  sofort  setzte  sie  sich  in  schlanken  Galopp  und  brachte
den  Hreußenkönig  in  Sicherheit.

Noch  nicht  gerade  weit  war  der  HKönig  geritten,  als  er  auf  Truppen
der  Elbarmee  traf,  die  am  Nachmittage  über  Hroblus  hinaus  die  Feinde
zurückgetrieben  hatte.  Es  waren  die  Füsiliere  des  17.  Regiments  und