416  Siebentes  Kapitel.

die  rheinischen  Zäger.  Er  befahl  ihnen,  hinter  einer  nahen  Schenne
Deckung  zu  nehmen,  da  immer  noch  österreichische  Granaten  herüberflogen,
  während  er  sich  selbst  ostwärts  wandte,  um  die  Erfolge  der  Sweiten
Armee  zu  prüfen.  Bald  begegnete  er  denn  auch  südöstlich  von  dem  Borwalde
  dem  General  von  Bonin,  dem  Kommandierenden  des  l.,  und
weiterhin  bei  Rosnitz  dem  General  von  Mutius,  dem  Kommandierenden
des  6.  Armeccorps.  So  befand  er  sich  mitten  in  der  Sweiten  Armec.
Er  suchte  den  Kronprinzen.  Er  ritt  um  das  Dorf  Wsestar  herum  und
dann  so  ziemlich  den  Weg,  den  er  gekommen  war,  wieder  zurück.  Das
Wetter  hatte  sich  gegen  Abend  aufgeklärt;  von  der  Abendsonne  beschienen,
sah  der  König  die  Festung  Königgrätz  daliegen,  bis  die  untergehende
Sonne  einen  rosigen  Schein  über  das  ganze  Gelände  warf.  Er  gab,  da
die  Gsterreicher  nirgends  mehr  standhielten,  die  Befehle  für  die  weitere
verfolgung;  dann  wandte  er  sein  Roß  gerade  nordwärts  nach  Sadowa,
wohin  die  Wagen  von  Klenitz  befohlen  waren.  Da  ward  ihm  doch  um
8  Uhr  noch  die  Freude,  auf  dem  Schlachtfelde  südöstlich  von  Stresetitz
dem  Kronprinzen  zu  begegnen.  Es  war  ein  ergreifender  Moment  nach
allem  Erlebten.  Mit  tiefer  Bewegung  umarmte  und  küßte  er  den  Sohn;
dann  nahm  er  den  eigenen  Grden  pour  le  mérite  vom  Halse  und  hängte
ihn  dem  ruhmbekränzten  Sieger  selbst  um.  Das  Berliner  Telegramm
hatte  den  Kronprinzen  noch  nicht  erreicht;  so  war  also  die  Uberraschung
vollständig  —  und  vor  Rührung  und  Freude  rannen  dem  Kronprinzen
die  Thränen  über  die  Dangen:  ein  ergreifender  Moment  für  alle  Anwesenden!
  Dann  schieden  mit  einem  Rändedruck  die  beiden  Helden  wieder
voneinander:  ·  .  «  ·

Jetzt  erst,  als  das  Tagewerk  gethan  schien,  ward  der  König  inne,
daß  er  den  ganzen  Tag  nichts  gegessen  hatte.  Allein  niemand  aus  dem
Gefolge  hatte  Proviant  bei  sich.  Nur  ein  Feldgendarm  zog  aus  seinem
Brotbeutel  ein  Stück  trockenes  Schwarzbrot,  unsicher,  ob  er  es  wagen
dürfe,  seinem  Könige  es  anzubieten.  Indes  mit  freundlichem  Dankeswort
  nahm  es  der  König  an.  Und  nun  bot  ein  Sergeant  seine  Feld—
flasche  dar,  die  noch  einen  Rest  sauren  Landweines  enthielt.  Das  war
an  seinem  herrlichen  Siegestage.  des  Hreußenkönigs  Mkahlzeit.

Es  begann  zu  dunkeln.  Die  Truppen  richteten  sich  zum  Biwak
auf  dem  Schlachtfelde  ein.  Aber  sobald  sie  den  mit  seinem  Gefolge  vorüberreitenden
  König  erkannten,  drängten  sie  sich  zu  ihm  und  küßten  mit
stürmischen  Hurrarufen  seine  Bände.  Auch  manchem  Derwundeten,  der
noch  nicht  aufgeboben  war,  brachte  er  Trost  und  sorgte  persönlich  dafür,
daß  er  so  rasch  wie  thunlich  nach  dem  nächsten  Derbandplatze  getragen