418  Siebentes  Kapitel.

kortiert.  Der  König  ließ  sofort  halten,  stieg  aus  seinem  Wagen  und  trat
an  den  Gffizier,  den  er  für  verwundet  hielt,  heran.  Es  war  der  General
Gablenz,  der  den  König  an  der  Stimme  erkannte  und  nun,  rasch  aussteigend,
  seines  Auftrages  sich  entledigte.  Er  war  als  Harlamentär  mit
verbundenen  Augen  zum  König  gesandt,  um  Waffenstillstand  zu  bitten.
Der  König  ließ  ihn  durch  den  Grafen  Lehndorff  nach  Horiz  geleiten,
wohin  er  selbst,  als  die  Salven  über  die  frischen  Gräber  bei  Chlum  verhallt
  waren,  zurückkehrte.  Tun  saßen  in  dem  Stübchen  des  Königs  um
den  Tisch  herum  der  König  mit  dem  Kronprinzen,  Bismarck  und  die
Generale  des  königlichen  Stabes.  Wohl  sprach  manches  für  die  Gewährung
  der  österreichischen  Bitte:  allein  um  Mitternacht  entschied  der
König,  daß  sie  abzulebnen  und  mit  allem  Nachdruck  der  Krieg  fortzuführen
  sei:  um  so  schneller  winke  der  Frieden.  So  mußte  Gablenz  denn
in  der  Frühe  des  5.  Juli  unverrichteter  Sache  zurückkehren.

Da  langte  noch  an  demselben  Nachmitttage  eine  Depesche  des  Kaisers
Mapoleon  bei  dem  Könige  an,  in  der  er  diesem  die  Abtretung  Denetiens
mitteilte  und  die  Abschließung  eines  Waffenstillstandes  zur  Herbeiführung
des  Friedens  vorschlug.  Wohl  stellten  dem  Könige  sofort  die  Folgen  sich
vor  Augen:  die  Abtretung  Denetiens  an  Mapoleon  sollte  die  gegen  Jtalien
kämpfende  Armee  der  GEsterreicher  zur  Derwendung  gegen  Hreußen  frei
machen,  und  die  Ablehnung  des  französischen  Dorschlages  konnte  immerhin
jetzt  auch  Frankreich  auf  den  Hlan  rufen.  Dennoch  war  der  König  alsbald
  entschieden,  durch  den  Dorschlag  Napoleons  in  seinem  Siegeslaufe
sich  nicht  aufhalten  und  von  Italien  nicht  trennen  zu  lassen.  Das  Rauptquartier
  wurde  nach  Hardubitz  verlegt,  wieder  30  km  vorwärts:  das  war
deutliche  Antwort!  ·

Der  Weg  nach  Pardubitz  führte  an  der  Festung  Königgrätz,  die  von
der  II.  Division  der  Hreußen  beobachtet  wurde,  fast  vorüber.  Sobald
der  König  die  Dorposten  der  Cernierungstruppen  erreicht  hatte,  stieg  er
zu  Hferde  und  beritt  mit  seinem  Stabe  die  Truppenaufstellung  wie  die
ganze  Umgebung  der  Festung  bis  nahe  an  deren  Außenwerke  heran;  aber
kein  Schuß  von  den  Feinden  fiel  auf  die  auffällige  Gruppe.  Gegen
Abend  wurde  Hardubitz  erreicht.  Indes  das  Schloß  vor  der  Stadt  war
ganz  mit  österreichischen  Derwundeten  belegt,  so  daß  der  König  in  einem
Bürgerhause  in  der  Dorstadt  an  der  Eisenbahn  sein  Quartier  nehmen
mußte.  Bis  zum  0.  Juli  dehnte  sich  hier  der  Aufenthalt  aus;  denn  der
König  erkrankte  hier  an  einer  heftigen  Erkältung  und  an  sehr  empfindlichen
  Schmerzen  in  Kreuz  und  Hüfte,  die  ihn  für  mehrere  Tage  das
Simmer  nicht  zu  verlassen  zwangen.  Die  regelmäßigen  Dorträge  beim